R. K. Narayan, Indischer Romancier (1906-2001)

14. Mai 2001, 21:24
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Von Graham Greene entdeckt - 34 Romane in englischer Sprache

Rasipuram Krishnaswami Narayan, der indische Volksschriftsteller und Chronist des Kleinstadt-Lebens Südindiens, verstarb 94-jährig im indischen Madras. Narayan war einer der ersten indischen Autoren, der sich, trotz seines Engagements für die politische Unabhängigkeit Indiens, entschloss, seine Romane in englischer Sprache zu verfassen, um der indischen Literatur - und dem indischen Alltag, den er in seinen Büchern beschrieb - internationale Aufmerksamkeit zu sichern.

Für seinen ersten Roman "Swami and Friends" suchte er zunächst vergeblich einen britischen Verlag. Deshalb bat er einen Freund, das Manuskript in die Themse zu werfen. Dieser legte das Werk aber dem Schriftsteller Graham Greene vor, der 1935 die Veröffentlichung erreichte. Es folgten über 30 weitere Romane und über 100 Kurzgeschichten, meist angesiedelt in der fiktiven Kleinstadt Malgudi, mit wiederkehrenden Charakteren, die er - nach dem Vorbild Balzacs - zu einer indischen Version der Menschlichen Komödie verwob. Wofür der indische Staat ihm durch Verleihung seiner höchsten literarischen Auszeichnungen dankte. (cia)

Narayan, Sohn eines brahmanischen Lehrers, war nach einer Lehrerausbildung zunächst als Journalist tätig, ehe er sich ganz auf sein belletristisches Schaffen verlegte. Lediglich einer seiner 34 Romane, "Der Fremdenführer", ist in deutscher Übersetzung erhältlich. In vielen seiner Werke, darunter auch zahlreiche Kurzgeschichten, beschreibt Narayanan mit lakonischem Humor den Alltag einfacher Menschen, deren geregeltes Leben aus dem Gleichgewicht geriet. In "The English Teacher" (1945) verarbeitete der Autor den Tod seiner 1939 an Typhus gestorbenen Frau und seine anschließende spirituelle Begegnung mit der Geliebten.

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