Estland hat gewonnen

13. Mai 2001, 10:23
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... aber warum nur, warum?

[Beiseit gesprochen: Nächstes Jahr wird Josefson auf die Worte seiner Mutter Leopoldinesdotter hören. Die rief in der Pause vor dem Voting kurz an, um durchzugeben: also mir haben diese beiden Esten gut gefallen ..., sonst sagte sie nix. Das blieb natürlich unbeachtet, belächelt, vergessen noch im Moment des Hörens. Die hatten doch nicht die Spur einer Chance.]

Wenn der Song Contest 2001 jedoch eines bewiesen hat, dann dass er nach wie vor jenseits von Gut und Böse lebt. In manchen Jahren mögen kurze Lichtblitze am Firmament aufzucken und man beginnt zu hoffen, dass sich der Grand Prix doch noch irgendwann dem Zeitgemäßen annähern könnte - doch dann wird er wieder bockig und wirft alle Vorhersagen über den Haufen.

Aus dem Nichts

Die Esten waren so krasse Außenseiter, dass nicht mal bei ihren Proben Fotos geschossen wurden. In keiner Buchmacherwette tauchten sie auch nur an sichtbarer Stelle auf. Zu jenseitig schien allen "Experten" (tja ... das Hausbackenheits-Radar ist offenbar immer noch die einzig zuverlässige Vorhersage-Instanz) die krude Mischung, die das blasse Jüngelchen Tanel Badar und sein älteres Gegenüber Dave Benton da boten. "Are you ready?" - "C'mon baby!" - "Ahaaa!" - "It's party time!" Mittelschicht-Funk zum Mit-Grooven, "Celebration!"-Faktor garantiert.

Hatte was von einem Lehrer-Schüler-Duett, wenn der bis zum Äquator aufgeknöpfte Benton da dem estnischen Zappelphilipp Tanel den Groove beizubringen versuchte. "Das ist Europa 2001", lautete der Kommentar der ARD dazu - ebenso jenseits wie der Ausgang der Veranstaltung.

Verstehen wir uns nicht falsch: es hätte schlimmer kommen können (obwohl heuer nichts auch nur annähernd so Grauenhaftes dabei war wie "Flyyyy on the wings of looooove ...", mit dem sich die Olsen Brothers zum Vorjahres-Sieg quäkten ... Urg.). Der heurige Siegertitel mitsamt seinen Interpreten ist sogar irgendwie ziemlich sympathisch, nicht zuletzt gerade wegen seiner Unvorhersagbarkeit. Auch dass Estland "als erster Reformstaat aus Osteuropa" (so der Wortlaut der Agentur-Meldung) gewonnen hat und Tallinn nächstes Jahr den Bewerb ausrichten darf, ist eine nette Entwicklung. Bloß ist das Liedchen halt so völlig belanglos. Kein Aufreger wie im letzten Jahr, einfach nur .... jaja.

Was noch geschah

Die deutsche Michelle, mit der wir ja als nette Nachbarn stellvertretend ein wenig mitfiebern durften, belegte mit ihrem nicht unanstrengenden Schmetter-Schlager "Wer Liebe leeeeeeeebt" einen gar nicht so schlechten achten Platz. Die Deutschen hatten es heuer schon im Vorfeld billiger gegeben und mit keiner Spitzenplatzierung gerechnet - waren's im Endeffekt also ziemlich zufrieden. Grüße nach Deutschland an dieser Stelle!

Und mit ein paar Zahlen und Fakten wollen wir noch aufwarten: Von allen im Vorfeld erkorenen Favoriten konnte sich nur Frankreich behaupten, immerhin an vierter Stelle. Gastgeber Dänemark wurde Zweiter, ohne vorher als Top-Favorit gehandelt worden zu sein; die 38.000 tobenden Zuschauer im Kopenhagener Parken-Stadion (130 Millionen waren es an den Fernsehschirmen) trieben ihre Band zur Höchstleistung an.

Großbritannien stank hingegen ziemlich ab und wurde hinter Bosnien und der Türkei gerade noch 15. - Und das ist wichtig, denn die Regeln sehen vor, dass nur die ersten 15 das Recht haben, auch im nächsten Jahr wieder zu starten. Die Ersatzbank drücken dann (wie heuer wir ...) Israel, Portugal, Lettland, die Niederlande, Polen, Island, Norwegen und ... die langjährige Song Contest-Großmacht Irland. Har har har har har. (Josefson)

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