Sonnensegel als Antrieb im Weltraum

13. Mai 2001, 20:20
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Für die Technologietests rücken Russland und die USA wieder zusammen

Severmosk - Russland und die Vereinigten Staaten von Amerika lassen sich durch die "Tito-Krise" zum Glück nicht dauerhaft von produktiver Zusammanarbeit abhalten. Gemeinsam bereiten sie den Einsatz von Sonnen-Segeln als Antrieb für Weltraumfahrzeuge vor. In den nächsten Wochen soll auf der russischen Rakete Volna eine Sonnensegel-Technologie der US-Planetary Society getestet werden. Wie der Nachrichtendienst VDI meldet, soll der erste Flug unterhalb der Erdumlaufbahn rund 30 Minuten dauern.

An der "Cosmos 1"-Mission sollen das Russische Babakin Weltraum Zentrum und das Makeev Rocket Design Bureau beteiligt sein. Sollte der Test erfolgreich verlaufen, könnte ein Flug auf der Erdumlaufbahn an Bord der "Volna" noch in diesem Jahr erfolgen. Im Hintergrund steht der Wunsch, einen sonnenenergie-betriebenen Antrieb für Weltraumflüge zu entwickeln. Die Forscher hoffen mit dieser Technologie zehn mal schneller zu fliegen als mit der bisher raketen-getriebenen Antriebskraft.

Wie der wissenschaftliche Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Astrophysik in München Garching Herbert Scheingraber sagte, stellen sich bei der Sonnensegel-Technologie noch zahlreiche Probleme. So sei die nötige Antriebskraft nur mit sehr großen Sonnensegelflächen zu erreichen, was die Störanfälligkeit durch Meteoriten und Weltraummüll erheblich steigere. Außerdem nehmen die Gravitationkräfte der Sonne zu, je mehr Energie aus ihrem Licht gezogen werden könne. Es müsse Kraft aufgewendet werden, um die Gravitation zu überwinden. Des Weiteren würde das Material der Sonnensegel durch den Dauerbeschuss der energiereichen Teilchen mürbe.

Die Sonnensegel der "Cosmos 1"-Mission bestehen aus Mylar-Polyester, einer Kunststoff-Folien-Faser, die nach Aussage von Scheingraber zäh und belastbar sein soll. An der neuen Technologie sind die NASA, die ESA und andere Weltraumorganisationen interessiert. Die acht Segel haben insgesamt eine Oberfläche von 600 Quadratmetern. (pte)

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    grafik: planetary.org
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