Das Glück ist ein Vogerl und baut ein Nest in München

14. Mai 2001, 13:27
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Bayern-Sieg in letzter Minute bei gleichzeitiger Schalke-Schlappe in ebendieser

München - Spontan feierten sie ihren "Last-Minute-Dusel" schon wie den Gewinn der Meisterschaft, doch die überschäumenden Jubelszenen direkt nach dem Abpfiff blieben eine Momentaufnahme. Denn noch ist der dritte Titel-Hattrick des FC Bayern München in der Fußball-Bundesliga nach 1972-1974 und 1985-1987 nicht perfekt. "Wir hoffen, dass unser Unterhaching nicht der Hamburger SV wird", erinnerte Verteidiger Thomas Linke an die letzte Saison, als Bayer Leverkusen am letzten Spieltag ebenfalls nur noch einen Punkt zum Titelgewinn benötigte und dann in Unterhaching sensationell mit 0:2 verlor. Doch Ottmar Hitzfeld selbstbewusst: "Leverkusen kann man mit uns nicht vergleichen. Wir sind der FC Bayern", betonte der Bayern-Trainer nach dem 2:1Sieg gegen Kaiserslautern.

Mit drei Punkten Vorsprung auf den gestürzten Spitzenreiter FC Schalke 04 gehen die Bayern nach der spektakulären 90. Minute der 33. Bundesliga-Runde in die letzte Partie beim HSV. "Voriges Jahr hatten wir einen verrückten letzten Spieltag, dieses Mal einen verrückten vorletzten", jubelte Alexander Zickler, der als "Joker" 70 Sekunden nach seiner Einwechslung mit einem Volley-Kanonenschuss aus 14 Metern den Münchner Sturmlauf doch noch zum Erfolg führte: "Jetzt müssen wir auch in Hamburg nochmal über die Schmerzgrenze gehen."

"Der Liebe Gott hat uns belohnt"

Sieben Sekunden vor Zickler hatte Krassimir Balakow um 17.16 Uhr in Stuttgart mit dem 1:0 gegen Schalke für die erhoffte Schützenhilfe gesorgt, die Uli Hoeneß an eine höhere Instanz glauben ließ. "Der Liebe Gott hat uns belohnt", meinte der Bayern-Manager, vergaß aber auch den Titelrivalen nicht: "Wenn wir es nicht schaffen, bin ich der erste, der Schalke gratuliert." Doch daran glaubt wohl keiner mehr. Drei Tage nach dem Einzug ins Champions-League-Finale feierten 63.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion das i-Tüpfelchen auf eine perfekte Woche des deutschen Rekordmeisters. "Mit diesem Finale haben die Zuschauer alles wieder bekommen, was wir ihnen in dieser Saison angetan haben", stellte Hoeneß zufrieden fest.

Innerhalb dieser sieben Sekunden sind die Titelträume des FC Schalke wie eine Seifenblase geplatzt. "So ist der Fußball, der kann grausam sein", stöhnte Manager Rudi Assauer. In dem Moment, als die Gelsenkirchener nach Balakows die Schwaben vor dem Abstieg rettenden Präzisionsschuss in die rechte Ecke zerstört auf den Rasen sanken, traf in München Zickler. Nun tragen die Hamburger alle Hoffnungen der "Knappen", während die Königsblauen daheim gegen Unterhaching drei Punkte benötigen und "daher auch voll rangehen" wollen, wie es Langzeittrainer Huub Stevens ankündigte. "Es ist noch viel möglich", glaubt der Niederländer, vielleicht doch noch den ersten Meistertitel für Schalke seit 1958 zu holen.

Zwei der drei Absteiger stehen seit Samstag fest. Nach dem VfL Bochum erwischte es auch die Frankfurter Eintracht mit Gerd Wimmer, die beim 0:3 in Wolfsburg (Kühbauer verwandelte einen Elfer) auch reichlich schwach agierte. Aller Voraussicht nach ist wohl Haching der Dritte im Bund der Unglücklichen. (APA/dpa)

Ergebnisse 33. Runde:

  • Hansa Rostock - TSV 1860 München 0:0
  • Bayern München - 1. FC Kaiserslautern 2:1 (0:1)
  • Hertha BSC - Bayer Leverkusen 1:1 (1:0)
  • VfL Bochum - SC Freiburg 1:3 (0:1)
  • VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt 3:0 (3:0)
  • VfB Stuttgart - FC Schalke 04 1:0 (0:0)
  • SpVgg Unterhaching - Borussia Dortmund 1:4 (0:1)
  • 1. FC Köln - Werder Bremen 1:3 (1:1)
  • Energie Cottbus - Hamburger SV 4:2 (2:1)
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