Die zahlreichen Pannen des FBI

12. Mai 2001, 17:23
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Amerikanische Bundespolizei unter Beschuss

Washington - Die amerikanische Bundespolizei ist wegen der jahrelang übersehenen Akten im McVeigh-Fall unter Beschuss gekommen. Das Justizministerium hatte schon 1997 schlampige Arbeit bei der Sicherung von Spuren in der größten Fahndung der FBI-Geschichte festgestellt. Zwei Jahre später kritisierte das Ministerium die Datenbank der Polizei.

Ein Parlamentsausschuss äußerte sich kürzlich besorgt über die veraltete Informationstechnologie in der mächtigsten Verbrechensbekämpfungsbehörde der Welt. Der 1908 gegründeten Polizei mit mehr als 20.000 Mitarbeitern sind bei der Jagd auf Verbrecher und Terroristen immer wieder peinliche Pannen passiert.

Im Februar wurde der FBI-Top-Agent Robert Hansson enttarnt, der unter den Augen seiner Kollegen offenbar seit 1985 für Moskau gearbeitet hatte. Die Spionagevorwürfe gegen den 1999 festgenommenen ehemaligen Atomforscher Wen Ho Lee konnten dagegen nie bewiesen werden und endeten in einer Entschuldigung des Richters. FBI-Chef Louis Freeh sagte später, man habe die Beweise nur nicht auf den Tisch gelegt, damit Fragen der nationalen Sicherheit nicht in einem öffentlichen Gericht erörtert werden mussten.

Vergangene Woche wurde ein weißer Rassist in Alabama 38 Jahre nach dem tödlichen Anschlag auf eine schwarze Kirche verurteilt - der damalige Staatsanwalt sagte, er hätte den Mann direkt nach der Tat überführen können, wenn das FBI ihm jetzt präsentierte Kassetten mit abgehörten Telefongesprächen übergeben hätte.

Im Kongress findet gerade die Anhörung im Fall Joseph Salvati statt. Der Bostoner saß 30 Jahre Gefängnis für einen Mord ab, den er nicht begangen hatte. Das FBI hatte entlastendes Material unterdrückt. Bei der Fahndung nach dem Olympia-Attentäter von 1996 brandmarkte das FBI einen unschuldigen Wachmann durch gezielte Informationen an die Presse zunächst als Täter.

Bei der Belagerung des Sektenhauptquartiers in Waco setzte das FBI 1993 doch entflammbares Gas ein - das war sechs Jahre lang bestritten worden. Auch Kassetten, die während der Belagerung aufgenommen worden waren, wurden erst Jahre später veröffentlicht. Bei dem Sturm auf das Haus der Davidianer-Sekte kamen mehr als 80 Menschen ums Leben.

Bei einer Belagerungsaktion am Haus des militanten Neonazis Randy Weaver wurden 1992 in Idaho dessen Sohn und Frau erschossen. Diese beiden Fälle führte der Terrorist Timothy McVeigh ausdrücklich als Begründung für seinen Hass auf die Bundesregierung an. Deshalb habe er 1995 das Bundesgebäude in Oklahoma in die Luft gesprengt. 168 Menschen starben.

FBI-Direktor Louis Freeh kündigte vergangene Woche seinen vorzeitigen Rücktritt an. Mit der McVeigh-Panne habe dieser Schritt nichts zu tun, betonten Mitarbeiter des Justizministeriums. (APA/dpa)

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