Michaela Köberl, Spitzenkandidatin für das LSF

17. Mai 2001, 13:57
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Männer definieren ihren sozialen Status über den Beruf, Frauen über die Mutterrolle

1) Name, Alter, Studium, Listenplatz

Michaela Köberl, geboren am 01.11.1978 in Wieselburg (NÖ), 1996 Inskription an der Uni Wien für Publizistik und Spanisch; nach einem Semester Wechsel auf Jus; Spitzenkandidatin (= Listenplatz 1)

2) Wie fühlst du dich als Frau auf der Uni?

Als Studentin sehr gut. Und ich freue mich, daß die Kolleginnen immer mehr werden. Gar nicht freut es mich jedoch, daß sehr viele Frauen ihr Studium abbrechen. Eine Schwangerschaft bedeutet häufig noch immer das Aus für studierende Frauen. die Studiensteuer von 10.000,- verschärft die finanzielle Lage dieser Frauen zusätzlich. Das LSF fordert daher den liberalen Bildungsscheck: Grundsicherung + Ausbildungsdarlehen zur Finanzierung der Studienkosten. Frauen werden auch seltener dazu ermutigt, ihre Ausbildung abzuschließen als ihre männlichen Kollegen. Männer definieren ihren sozialen Status über den Beruf, Frauen über die Mutterrolle. Diese veralteten Rollenbilder müssen endlich den Platz finden, der ihnen Zusteht: ab ins Museum damit!

3) Was denkst du über spezifische Frauenmaßnahmen auf der Uni?

Viele Frauen haben zu wenig Selbstbewußtsein, trauen sich selbst zu wenig zu, was hauptsächlich an der Erziehung liegt, die sich noch immer an veralteten Rollenbildern orientiert. Um wirklich etwas verändern zu können, müssen diese Vorurteile endlich ausgeräumt werden. Frauen sollen dazu ermutigt werden, ihre Fähigkeiten auch zu nützen. Professorinnen sollen dabei Vorbildwirkung einnehmen und die Studentinnen zu mehr Initiative ermutigen.

4) Wie ist deine Wahrnehmung von Frauen auf der ÖH? Wo arbeiten sie bzw. wo fehlen sie?

Auffällig ist, daß die Sachbereiche sehr stark nach Geschlechtern „getrennt“ Sind: Wenn es um die Finanzen geht, findet man fast durchwegs Männer. Frauen Sind vor allem zu finden in den Bereichen Gleichbehandlung, Soziales. Allerdings geht die Tendenz deutlich zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Geschlechter.

5) Wie schauen die frauenpolitischen Forderungen/Ansätze deiner Fraktion aus? Habt ihr ein frauenpolitische Programm und wenn ja welches?

Nach langem Kampf um Gleichberechtigung sind Frauen und Männer formal gleichberechtigt. Jetzt ist der nächste Schritt gefragt, nämlich die Herstellung echter Chancengleichheit. Quoten, also „positive Diskriminierung“, können die Gleichberechtigung nicht herstellen. Denn erstens wird die Quote dazu benützt, sich vor der Schaffung gleicher Rahmenbedingungen zu drücken („Wir machen eh schon genug für Frauen“). Zweitens funktioniert Die Quote in der Praxis nicht (Wie mißt man „gleiche Qualifikation“?). Und drittens: Wer Sich schon einmal als „Quotenfrau“ fühlen mußte, weiß, wie diskriminerend sich das auswirkt. Frau wird nicht mehr als kompetente Person angesehen, sondern völlig aufs Geschlecht reduziert. Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt auch, daß die Quote nichts dazu beiträgt, daß Frauen in Spitzenpositionen gelangen.

Vielmehr sind es die Rahmenbedingungen, die eine „gläserne Decke“ bilden und Frauen das Berufsleben schwer machen. Noch immer werden Frauen vor die Wahl gestellt: Entweder Karriere oder Familie. Das ist keine faire Wahlmöglichkeit. Frauen werden schwanger, Männer nicht – ein Faktum, das berücksichtigt werden muß. Die Möglichkeit eines raschen Wiedereinstiegs in den Beruf ist zu verbessern. Kinderbetreuungsstätten direkt am Arbeitsplatz erleichtern dies wesentlich. Es muß weiters Anreize geben für Männer, in Karenz zu gehen (zB: einkommensabhängiges Karenzgeld). Frauen Und Männer sind gleichermaßen für die Kinderbetreuung zuständig.

6) Wie ist das ungefähre zahlenmäßige Verhältnis von Männern und Frauen in deiner Fraktion und wo speziell arbeiten Frauen bei euch?

Frauenanteil leider noch immer unter 50 Prozent, dafür sind bei uns Frauen Überproportional in Spitzenpositionen anzutreffen – zum Beispiel als Bundessprecherin ;-) Frauen und Männer werden bei den Liberalen völlig gleich behandelt. Es zählt Nicht das Geschlecht, sondern allein die Leistung.

7) Was denkst du über die Abschaffung des Frauenministeriums und wie beurteilst du die Notwendigkeit eines Frauenreferats auf der/den ÖH/s?

Das frühere Frauenministerium verfügte faktisch über keine Kompetenzen; Frauenanliegen Wurden abgewürgt mit dem Hinweis, daß es ohnehin ein Frauenministerium gäbe. Frauenanliegen Wurden so bewußt von der Politik ferngehalten, Frauen galten als „Randgruppe“. Durch die ersatzlose Abschaffung des Frauenministeriums gehen die Anliegen der Frauen nun gänzlich unter. Wir fordern die Schaffung eines Ministeriums für Gleichberechtigung mit Zuweisung echter Kompetenzen. Aufgabe eines solchen Ministeriums ist die Schaffung gleicher Rahmenbedingungen für beide Geschlechter.

8) Wie ist deine Meinung zur Einrichtung der Männerabteilung und meinst du über so eine Abteilung im Zusammenhang mit der ÖH?

Die Männerabteilung ist völlig überflüssig. Wir fordern die Schaffung eines Ministeriums für Gleichberechtigung, das sich endlich darauf konzentriert, gleiche Rahmenbedingungen für Männer und Frauen herzustellen. Die Emanzipation beider Geschlechter ist gefragt, beide Geschlechter müssen Sich von einengenden Rollenbildern lösen. Anders ist Gleichberechtigung Auf Dauer nicht zu erreichen.

9) Was denkst du als Studentin über das Kindergeld? Was steht für dich da im Vordergrund? Die "Erleichterung" oder die "Abschiebung zur Kinderbetreuung"?

Das Kindergeld wäre dann sinnvoll, wenn es in Form einer Grundsicherung Ausbezahlt würde. Das ist aber nicht der Fall. Sinnvoll wäre es außerdem nur, wenn es genug Kinder-Betreuungseinrichtungen gäbe. Eltern hätten dann mit einer Grundsicherung die freie Wahl zur Organisation der Kinderbetreuung.

Tatsächlich ist das Kindergeld aber als „Gebärprämie“ konzipiert. Durch das ständige Propagieren eines konservativen Familienbildes durch die Regierungsparteien werden berufstätige Mütter wieder als „Rabenmütter“ hingestellt.

(Red)

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