Ein Universum voller Spinner

14. Mai 2001, 22:48
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Zum Tod des britischen Satirikers Douglas Adams, 1952-2001

Los Angeles - Alles beginnt auf einem unbedeutenden Planeten in einem in die Alpen hinein geklatschten Städtchen. Dieses wird im ganzen Universum dafür belächelt, dass dessen Bewohner während ihrer Initiationsriten versuchen, zu jener Zeit, da Eiskristalle vom Himmel fallen, mit an die Füße geschnallten Holzbrettern auf diesem Wunder der Natur ins Tal zu rasen. Gerade die Milchstraße ist voll von solchen Spinnern!

Ein junger britischer Tramper, nennen wir ihn Douglas Adams, befindet sich hier Anfang der 70er-Jahre also auf einer Wiese in Innsbruck liegend. Er will dort weg. Das Autostoppen hat allerdings seit Stunden nicht geklappt. Deshalb versucht sich Adams mit seinem letzten Geld durch die Einnahme von nicht näher spezifizierten Substanzen möglichst schnell aus sich selbst heraus außerhalb des Raum-Zeit-Gefüges zu bringen: "Reisen, ohne sich zu bewegen", ein Unterfangen, das bei der Jugend der Welt 1971 übrigens gerade als extrem populär gilt.

So illuminiert trifft Adams das Sternenzelt über sich betrachtend drei folgenschwere Entscheidungen für sein weiteres Leben: 1. DON'T PANIC! 2. Jemand müsste einen Reiseführer durch die Galaxis schreiben, in dem vor Planeten wie der Erde und Innsbruck gewarnt wird. 3. Von hier wegzukommen wäre leicht, wenn man vorbeikommende Raumschiffe mit einem "Multifunktions-Handtuch" auf sich aufmerksam machen könnte. Noch angenehmer wäre es, wenn man selbst fliegen könnte - eine Kunst, die übrigens darin besteht, sich zu Boden zu werfen, diesen aber zu verfehlen.

1978 ist es dann so weit. Douglas Adams produziert für die BBC die Radioserie Per Anhalter durch die Galaxis, eine jedes Format zwischen Reiseliteratur, Ratgeber, Science-Fiction und ins Groteske gezerrter "Philosophie" im Stile Monty Pythons sprengende Odyssee des außerirdischen Zynikers Ford Prefect mit einem an den Simplicissimus erinnernden Menschenkind Arthur Dent. Beide müssen unseren Planeten möglichst schnell per Anhalter verlassen, weil dieser dem Bau einer Hyperraum-Autobahn im Wege steht.

Der Rest ist "literarisches" Allgemeingut. Ein Jahr später erscheint die Buchfassung. Diese verkauft mit den Nachfolgebänden Das Restaurant am Ende des Universums, Das Leben, das Universum und der ganze Rest und Mach's gut, und danke für den Fisch weltweit über 14 Millionen Stück. Adams, dem das Universum auch die Beschreibung des manisch-depressiven Roboters Marvin verdankt, der selbst Raumschiffe in den Selbstmord zu treiben vermag, haftet seitdem das Attribut "Kultautor" an. Immerhin konnte er als erster Mensch auch die große, die letzte Frage seiner Gattung beantworten. Sie lautet: 42. An der Rekonstruktion der Frage wird allerdings noch gearbeitet.

Douglas Adams hat die Schnellstraßenschikane, die wir Erde nennen, nun für immer verlassen. Er erlag beim Fitnesstraining im Exil in Los Angeles, wo er zuletzt eine Computerspielefirma und eine Kleinfamilie gegründet hatte und das "galaktische" Internetlexikon H2G2.com gestaltete, einem Herzinfarkt. Möge das Handtuch mit ihm sein!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 5. 2001)

Von
Christian Schachinger

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Douglasadams.com
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"He managed to combine fantasy and humanity in books which enthralled generations of readers"
Nachruf auf Douglas Adams auf den Seiten der BBC, für die der verstorbenen Kultautor als Redakteur tätig war.
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