Bonino: "Man darf nicht denselben Fehler wie im österreichischen Fall begehen"

12. Mai 2001, 12:07
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Ex-EU-Kommissarin warnt Brüssel vor Sanktionen gegen Italien

Rom - Die italienische Reformpolitikerin und Ex-EU-Kommissarin Emma Bonino hat Brüssel aufgerufen, nicht denselben Fehler mit Italien zu begehen, der bereits im vergangenen Jahr mit der Verhängung von Sanktionen gegen Österreich gemacht wurde. "Brüssel soll sich wegen Italien Sorgen machen, (Oppositionschef Silvio) Berlusconi ist aber nicht das einzige Problem. Man sollte vermeiden, wieder Sanktionen zu verhängen, um dann in einem Tunnel ohne Ende zu stecken", sagte Bonino in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Samstagsausgabe).

"Meinen Freunden in Brüssel, die mich fragen, ob (der Chef der Lega Nord Umberto) Bossi gefährlicher als der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ist, antworte ich, man soll die künftige Regierung in Italien auf Grund ihrer Leistungen bewerten", sagte die 52-jährige Spitzenpolitikerin der Radikalen Partei. Ihrer Ansicht nach ist ein Sieg der oppositionellen Mitte-Rechts-Koalition von Silvio Berlusconi bei den Parlamentswahlen am Sonntag sicher, trotz des dunklen Schattens der Interessenskonflikte, die auf dem TV-Zaren lasteten.

Für Bonino ist Italien ein "sonderbares" Land. Trotz zahlreicher Änderungen des Wahlgesetzes in den letzten Jahren gebe es immer noch 40 Parteien. Ihre Partei sei in Italien die einzige konkrete Alternative zu Berlusconi und zur Mitte-Links-Koalition. "Die Radikalen werden in der nächsten Legislaturperiode eine Kontrollaufgabe übernehmen", so Bonino.

Vergangene Woche hatte die ehemalige Flüchtlingskommissarin einen fünftägigen Hunger- und Durststreik geführt, um gegen die italienischen Medien zu protestieren, die ihrer Ansicht nach ihrer Partei zu wenig Aufmerksamkeit widmen. (APA)

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