Schwere Offensive der Armee Samstags wie Sonntags

13. Mai 2001, 14:51
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"Wir haben keine Alternative", sagte Mazedoniens Regierungschef

Kumanovo - Bei einer Offensive der mazedonischen Armee sind am Samstag offenbar bis zu 30 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte die Sprecherin der Streitkräfte, Blagoja Markovski, bei einer Pressekonferenz in Kumanovo. Die Armee sei mit Hubschraubern und Artillerie gegen Stellungen "albanischer Terroristen" vorgerückt, hieß es.

Auch Sonntag, nur wenige Stunden vor der Parlamentsabstimmung über die Einsetzung einer Regierung der Nationalen Einheit, ist die mazedonische Armee mit schwerem Geschütz gegen die albanischen Rebellen im Norden des Landes vorgegangen. Mehrere Albaner kamen nach Armeeangaben ums Leben, als Panzer die Rebellenhochburg Vaksince, rund 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Skopje, beschossen.

In einer Fernsehansprache rechtfertigte Ministerpräsident Ljubco Georgievski das Vorgehen der Streitkräfte. Mazedonien sei einer "brutalen Aggression" ausgesetzt, und die Armee werde deshalb weiter gegen die Rebellen kämpfen. "Wir haben keine Alternative", sagte der Regierungschef. Die bisher oppositionelle Albaner-Partei der Demokratischen Prosperität (PDP) hatte ihre Forderung nach Gesprächen mit den UCK-Kämpfern erneuert.

"Massive Aktion" am Samstag

In Slupcane sitzen seit elf Tagen Zivilisten fest. Auch in der nahe gelegenen Rebellenhochburg Vakcince halten sich viele Zivilisten auf. Eine Gruppe von 70 Dorfbewohnern hatte am Freitag das Kampfgebiet verlassen. Hunderte weitere sollen sich jedoch noch in der Region teils freiwillig, teils gezwungenermaßen aufhalten.

Am Samstag gegen 10.00 Uhr habe die Armee ihre "massive Operation" mit dem Beschuss von Slupcane begonnen, erläuterte Markovski. Dabei habe man auch eine Gruppe uniformierter Rebellen nördlich der Ortschaft getroffen. Später sei auch eine Rebellen-Kolonne nordwestlich von Vakcince beschossen worden. Augenzeugen zufolge verstärkte die Armee am Samstag ihre Stellungen rund zwei Kilometer von Vakcince entfernt mit drei Panzern des russischen Typs T-55 und einem gepanzerten Transportfahrzeug.

Rotes Kreuz: Mehrere Mazedonier in Gefangenschaft

Das Internationale Rote Kreuz teilte mit, die Rebellen hielten mehrere Mazedonier gefangen. Einem Soldaten gehe es gut, zwei weitere Gefangene hätten die Mitarbeiter der Hilfsorganisation nicht besuchen dürfen. Die Rebellen hätten sie als "blutdurstige Paramilitärs" bezeichnet.

Nach Angaben der Regierung in Skopje werden die Einwohner der umkämpften Region von den Rebellen gegen ihren Willen festgehalten. NATO-Generalsekretär George Robertson hatte die Freischärler jüngst als Mörderbande bezeichnet, die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauche.

Der Sprecher des US-Präsidialamtes, Richard Boucher, sagte in Washington, die geplante Allparteienregierung sei eine geeignete Maßnahme, um die Beziehungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Die Rebellen forderte er auf, unverzüglich ihre Gewaltaktionen einzustellen und sich von den besetzten Gebieten zurückzuziehen. Mazedoniens Parteien hatten sich am Freitag auf die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit verständigt.

Die größten Parteien Mazedoniens, darunter auch die oppositionelle albanische Partei der Demokratischen Prosperität (PDP), unterzeichneten in Skopje eine entsprechende Erklärung. Oberstes Ziel dieser Regierung sei die Herstellung der Sicherheit und Stabilität Mazedoniens, die Fortsetzung des intensiven politischen Dialogs und die Vorbereitung von vorgezogenen, fairen Wahlen, hieß es. Das Parlament wollte am Sonntag die neue Regierung bestätigen.

Südserbien: Kind bei Kämpfen getötet

Bei Kämpfen zwischen albanischen Rebellen und jugoslawischen Truppen in Südserbien ist am Samstag ein Kind getötet worden. Wie ein Vertreter einer internationalen Organisation am Samstag in Presevo mitteilte, wurde bei Kämpfen in Oraovica nördlich von Presevo zudem ein kleines Mädchen verletzt.

Demnach waren Kämpfer der albanischen "Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac" (UCPMB) am Freitag im außerhalb der Sicherheitszone gelegenen Oraovica einmarschiert und hatten das von Albanern bewohnte Dorf besetzt. Daraufhin sei Mörser- und Maschinengewehrfeuer zu hören gewesen. Nach Angaben eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP flüchteten Frauen und Kinder in Nachbarorte.

Oraovica liegt nahe der Sicherheitszone zwischen dem Kosovo und Südserbien. Sie war nach der NATO-Bombardierung im Juni 1999 eingerichtet worden, um Zusammenstöße der KFOR mit den Truppen des damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic zu verhindern. (APA/Reuters)

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