Kostunica offenbar zur Auslieferung von Milosevic bereit

12. Mai 2001, 12:45
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Entsprechendes Gesetz soll noch im Mai dem Parlament vorgelegt werden

Wien/München - Der jugoslawische Staatspräsident Vojislav Kostunica will sich nach Angaben des deutschen Nachrichtenmagazins "Focus" offenbar nicht länger einer Auslieferung von Slobodan Milosevic an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag entgegenstellen. Der gerade aus den USA zurückgekehrte Politiker sagte laut einer Vorausmeldung dem Magazin: "Ich habe in Washington meine maximale Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Tribunal ausgedrückt und werde mich dafür einsetzen, dass die Bundesregierung das entsprechende Gesetz noch vor Monatsende vorbereitet und dem Parlament vorlegt."

Auf die Nachfrage, ob Milosevic dann sofort ausgeliefert werde, antwortete Kostunica: "Zuerst muss das Gesetz verabschiedet werden und die Zusammenarbeit beidseitig sein."

Mit Blick auf seine Reise nach Berlin am kommenden Dienstag erklärte er, bei dem Besuch gehe es darum, "dass Deutschland als EU-Mitglied uns dabei unterstützt, eine demokratische und vernünftige Lösung zum Erhalt der jugoslawischen Föderation zu finden. Deswegen ist mein Besuch in Deutschland genau so wichtig wie der in den USA."

Zugleich versicherte Kostunica, dass das aus der Milosevic-Zeit stammende Urteil gegen Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder - 20 Jahre Haft wegen der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien - nicht vollstreckt wird. Auf die Frage, ob Schröder bei seinem ersten Belgrad-Besuch festgenommen werde, antwortete Kostunica: "Nein. Ohne auf die juristischen Einzelheiten einzugehen, kann ich sagen, dass Herr Schröder hier ein willkommener Gast sein wird." (APA)

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