Blumenkitsch rules!

12. Mai 2001, 01:47
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Der Messe-Newcomer "art-vienna" im Technischen Museum

Ein niegelnagelneues, helles, freundliches Technisches Museum, in dessen ersten Obergeschoß für Dinge der "Innovation" Platz reserviert ist. Dort siedelt sich bis einschließlich Sonntag die art-vienna an, die "internationale Kunstmesse".

Zur Premiere der ebenfalls für die art Innsbruck geborenen Idee, hauptsächlich Auflagenkunst zu präsentieren, stehen 60 Galerien, nahezu alle aus dem deutschsprachigen Raum, zur Disposition. Innovation ist ein Hohn dabei, da wirkt der dicke Hochofen der vom Erdgeschoss in den ersten Stock reicht, noch spannender. Ein Großteil der Galerien sind, sagen wir es kurz und schmerzlos, mit zweitklassiger Kunst bestückt - die so gut wie sicher ihre Abnehmer findet. Ein "Höhepunkt" dabei die Galerie & Edition Zwettltal (Großgerungs), die unsagbaren Blumen- und Waldkitsch im Programm führt.

Ein - sehr engagiert betriebener - Salon des Refusés der mittlerweile renommierten, größtenteils erstklassigen und (trotzdem) vom Publikum verwöhnten herbstlichen kunst wien?

Art Trend aus Graz, Pohlhammer aus Steyr, Sikoronja aus Rosegg (Kärnten), V&V, Suppan Fine Arts sowie die Sonderausstellung "Junge Kunst" (u.a. mit Fotos von Marianne Greber,) retten die Messe noch irgendwie.

Hartl/Wien bieten ältere Arbeiten an, etwa von Karl Korab oder Paul Flora (Tuschezeichnung 29.000 öS). Pollhammer wollte einfach einmal in Wien ausstellen, egal in welchem Umfeld, und sticht unter allen Ausstellenden mit in verschiedenen Graden verbrannten/verkohlten historischen Heiligen-Holzfiguren auf. Der Künstler Josef Wintersteiger hat sie gefunden, geputzt und auf Sockel gesteckt. Ihre Installation mutet grotesk an, als Denkmal und Warnung. Zwischen 14.000 und 25.000 kosten diese Skupturen, die Walter Ebenhofer portraitiert hat (27.500 öS, 3er-Auflage). Suppan Fine Arts wirbt u.a. mit Eduard Angeli (Bambus, Ölbild aus 2000, 270.000 öS) oder einem kleinen Ölbild von Ludwig Gerstacker (12.000 öS).

Den Stand von Sikoronja/Rosegg prägt ein brandneues, wildes Bild von Adolf Frohner, zu haben um 320.000 Schilling. Kiki-Kogelnik-Köpfe und einen in 100er-Auflage produzierten Kiki-Druck aus 1970 bietet Carantana (Klagenfurt).
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 5. 2001)

Von
Doris Krumpl

(Bis 13.5.)
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