Mugabes Miliz bedroht Leiter des SOS Kinderdorfs

11. Mai 2001, 22:36
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Einschüchterungsversuche von Kriegsveteranen

Harare - In Simbabwe richten sich die Gewaltaktionen so genannter Kriegsveteranen nun auch gegen Kinder-Hilfsorganisationen. Ian Kluckow, Leiter der SOS Kinderdörfer, erklärte am Freitag, er habe ein Treffen mit Vertretern der Veteranen abgelehnt. Sie hätten am Vortag in seinem Büro in Harare Geld für einen früheren Mitarbeiter gefordert, der wegen Diebstahls entlassen worden war und mit "Ärger" gedroht.

Kluckow schloss das Büro und betonte, er werde den Vorstand der Kinderdörfer und die Spender im Falle weiterer Einschüchterung auffordern, mehr als vier Millionen Dollar (4,56 Mill. Euro/62,7 Mill. S) für geplante Investitionen in neue Kinderdörfer sowie den Bau zwei neuer Schulen zurückzuhalten. Seinen Mitarbeitern habe er bis Dienstag frei gegeben. Informationsminister Jonathan Moyo äußerte seinen "Stolz" über die Veteranen, die "ein sehr bedeutender Kern" der Regierungspartei seien.

Die SOS-Kinderdörfer in Simbabwe gehören zu der in Innsbruck ansässigen Hilfsorganisation SOS Kinderdorf. Sie unterhalten in dem afrikanischen Staat drei Heime für insgesamt 500 Waisen sowie acht Schulen für 4.500 Kinder. Sie haben 300 Mitarbeitern und ein Jahresbudget von einer Million Dollar.

Ebenfalls am Freitag berichtete Maria Sithole, die Leiterin der in Harare ansässigen Kinder-Hilfsorganisation Children's Home, über einen weiteren Einschüchterungsversuch durch fünf Anhänger von Präsident Robert Mugabes regierender ZANU (PF)-Partei. Sie seien in ein Waisenhaus eingedrungen und hätten sie unter Drohungen genötigt, für einen früheren Mitarbeiter Geld zu zahlen. Sie habe aber klar gemacht, dass sie weder mit ihnen ins Parteibüro komme noch zahlen würde. Die Kinder, die die Szene erlebt hätten, seien schockiert gewesen. Es sei seit März bereits der dritte Versuch gewesen, dort Geld zu erpressen.

Auch die Katholische Kirche gerät unter Druck, nachdem sie in der vergangenen Woche in einem Pastoralbrief 15 Monate staatlich sanktionierter Gesetzlosigkeit im Lande verurteilt hatte. Joseph Chinotimba, einer der Anführer der Veteranen-Verbände, warnte die Kirche vor "nicht spezifizierten Aktionen". (APA/dpa)

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