Bush billigt Aufschub der Hinrichtung von McVeigh

11. Mai 2001, 21:20
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Amnesty-Appell: Todesstrafe in Haftstrafe umwandeln

Washington - US-Präsident George W. Bush steht hinter der Entscheidung, die Hinrichtung des Oklahoma-Attentäters Timothy McVeigh um einen Monat zu verschieben. Justizminister John Ashcroft habe die richtige Entscheidung getroffen, sagte Bush am Freitag in Washington bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Es sei "sehr wichtig" für die USA, dass die Todesstrafe gerecht angewandt werde, auch wenn dies für die Opfer in diesem Fall schwer zu ertragen sei.

McVeigh habe Glück, dass er in den Vereinigten Staaten lebe, wo seine Rechte eingehalten würden. Auf die Frage, ob er weiterhin an die Schuld des Golfkriegsveteranen glaubte, sagte Bush: "Wenn ich mich recht erinnere, hat Herr McVeigh gesagt, dass er es getan hat. Ich nehme ihn beim Wort."

Unterdessen appellierte Amnesty International an Bush, mit der Umwandlung der Todesstrafe für McVeigh ein "historisches Beispiel" zu geben. Der Chef der ai-Kampagne zur Abschaffung der Todesstrafe, Ajamu Baraka, begründete den Appell damit, es sei kein glaubwürdiger Akt, zu verurteilende Taten durch eine Nachahmung dessen zu ahnden, was verurteilt werden solle: die Tötung von Menschen.

Der 33-jährige McVeigh wäre der erste Gefangene der Bundesbehörden der USA, der seit 1963 hingerichtet würde. In den Bundesstaaten wurden seit Wiederzulassung der Todesstrafe 1976 mehr als 700 Straftäter hingerichtet. Allein in Texas, wo Bush bis vor kurzem Gouverneur war, waren es 152. Eine Sprecherin Bushs hatte zu einem vom Vatikan erlassenen Appell erklärt, Bush pflege nur zwei Fragen in solchen Fällen zu stellen: Ob Zweifel an der Schuld des Verurteilten bestünden und ob der Angeklagte Zugang zum amerikanischen Rechtssystem gehabt habe. Im Fall Timothy McVeigh seien beide Fragen klar beantwortet worden, ein Gnadenappell daher ohne Aussicht. (APA/Reuters)

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