Theater als Medley von Kennmelodien

11. Mai 2001, 23:31
posten

"Dame Kobold" im Konservatorium Wien

Wien - Dass aus dem wunderbar unbeschwerten Barockspaßwerk Dame Kobold des Pedro Calderón de la Barca unterm Strich ein spanisches Dorf wird, liegt keineswegs an der Humorlosigkeit der an dessen Produktion beteiligten (angehenden) Künstlerinnen und Künstler. Schauspielstudenten des Konservatoriums der Stadt Wien haben unter der Regie Claus Homschaks das von ganz schön frechen Täuschungsmanövern vorangetriebene Werk von 1629 mit Lieblingsmelodien (musikalische Leitung: Ronald Hein) zu einem operettenhaften Musical angereichert: von Bon Jovi zu Guns'n Roses, von Metallica zu Tom Jones, unbenannte Evergreens und die Filmmusik von "Rocky IV", dazwischen spanische Weisen und hiesige Landler. Man schenkt sich wirklich nichts.

Claus Homschak nimmt die Beat-Akkumulation und breitet sie wie einen hektisch gewobenen Soundteppich über einen dreistündigen Abend. Da "schultheatert" es, wie es dies einst nicht einmal in Ybbs-Persenbeug tat! Man weiß sehr bald: pflichtbewusst nach dem Reclam-Nachwort in Szene gesetzt, neigungsvoll aber auch nach der eigenen Hitparade angereichert. Eine nicht zwingende Differenz, doch sie zeigt uns nichts auf! Die Show ist das Ziel.

Dabei hat das Ensemble der Spieler Potential. An erster Stelle Thomas Mraz als Diener Cosme. Er trägt das Talent zum Narren im Blick, im Bauch, im Bein. Eine ganz auf's Puppenhafte gelenkte Darstellung gelingt Regine Brandner als Dona Angela. Sie bringt hervor, was man für diese Calderón-Figur erwartet: keinen Charakter, viel Typik, Wucht und Ulk, und das im kecken Spitzenhäubchen (Kostüme: Maria Kappeter). Was aber bloß zwingt Riefenstahl-Bilder zur "Dame Kobold"? M. Affenzeller
Konservatorium der Stadt Wien, 512 77 47-0, Sa
19.30

Share if you care.