Alles drängt ins mobile Geschäft

11. Mai 2001, 19:18
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Nächste Handygeneration wird zum Tummelplatz für verschiedene Dienstleister

Wien - Nach einer weltweit durchgeführten Studie der Boston Consulting Group zum Thema Mobile Commerce werden bis zum Jahr 2004 bis zu 300 Millionen Menschen Handy oder Taschencomputer nutzen, um beispielsweise ins Internet einzusteigen, Einkäufe oder Bankgeschäfte abzuwickeln oder elektronische Briefe zu versenden und zu empfangen.

"Kein Stein wird auf dem anderen bleiben", beschreibt David Dean, Geschäftsführer der Boston Consulting Group (BCG), die Entwicklung in der Mobilfunkindustrie für die kommenden zwei bis drei Jahre. Noch vor der Einführung des Welthandys - im Fachjargon UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) genannt - wird es in der Mobilfunkindustrie weltweit zu einem gravierenden Wandel kommen. Neben den bisherigen Netzbetreibern glaubt Dean, dass künftig auch Unternehmen aus den Bereichen Banken, Versicherungen oder auch Fluggesellschaften als Mobile Virtual Network Operator in das Mobilgeschäft einsteigen.

Darüber hinaus wird es in den kommenden zwei bis drei Jahren zu weiteren Allianzen und Firmenübernahmen kommen, nicht zuletzt auch deswegen, weil sich einige Netzbetreiber bei der Ersteigerung der UMTS-Lizenzen übernommen haben.

Handy von der Bank

Der Handyverkauf über den Bankschalter scheint nicht mehr fern zu sein. Richard Branson, Unternehmensgründer von Virgin Megastore und der Fluggesellschaft Virgin Air, hat in Großbritannien bereits im November 1999 mit Virgin Mobile diesen Schritt unternommen. Virgin Mobile mietet in Großbritannien nur überschüssige Netzkapazitäten vom klassischen Handynetzbetreiber One2One, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Etwa zehn bis 25 solcher virtueller Handynetzbetreiber, die den Vorteil haben, bereits über Zigtausende Kunden zu verfügen, werden in den kommenden Jahren weltweit ihren Betrieb aufnehmen, schätzt Dean. Zum Vorteil für den Kunden, der eventuell mit Gratishandys und günstigen Preisen bei den Diensten rechnen kann.

Der neuen Mobilfunktechnologie GPRS (General Packet Radio Service) bescheinigt Dean eine herausragende und bedeutende Rolle für die Zukunft des Mobile Commerce. Einerseits wegen der deutlich höheren Datenübertragungsrate gegenüber dem bisherigen Handynetz GSM, anderseits ermöglicht die Technologie, dass Anwender permanent über das Handy online sein können. Ein Vorzug, der aber nur dann zu tragen komme, wenn genügend Anwendungen zur Verfügung stehen, die überdies im Gegensatz zu den WAP-Applikationen einfacher zu handhaben sind.

Beispielhaft nennt Deann den Internetdienst "i-mode" des japanischen Mobilfunkbetreibers NTT DoCoMo, dessen Anwendungen durch Einfachheit bestechen. (Thomas Jäkle, DER STANDARD, Printausgabe 12.5.2001)

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