Bentley und Royce rollen auf China zu

11. Mai 2001, 19:07
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Edelmarken aus den Häusern BMW und VW sind höchste Statussymbole - Zielgruppe: Yuan-Millionäre

Peking - Im Pekinger Heiratsinstitut "Zi Fangzi", (Purpur-Haus) melden sich die Verlobten Wochen im Voraus an. Sie wollen an ihrem großen Tag in einem "Laosi Laisi" zur Heirat kutschiert werden. Für eine chinesische Braut ist es das höchste Statussymbol, wenn ihr Auserwählter sie im blumengeschmückten, laut hupenden Rolls-Royce vom elterlichen Zuhause abholt. Einen Wagen der britischen Nobelmarke oder auch fünf Mercedes-Limousinen kann man über das Internet ab 10.800 Yuan oder rund 20.000 S für einen halben Tag mieten.

Auf Rolls-Royce setzt auch ein Pekinger Software-Anbieter, der mit einer Verlosung für alle wirbt, die sein Antiviren-Programm kaufen. Sonderpreis ist eine zweitägige Spazierfahrt im "Laosi Laisi".

Nobelautos sind in China der große Traum. Das ist Grund genug für Tony Gott, Chef von Bentley, mit den beiden Edelmarken den Schritt nach China zu wagen. Dieser Tage unterschrieb er in Peking mit der China Automotive Industry die Verträge. Bentley China, hinter dem die Hongkonger Da-Chong-Hong-Gruppe steht, wird das riesige Land für Rolls & Bentley systematisch erschließen. Ausstellungsräume und Servicestationen sollen innerhalb eines Jahres in Shenzhen, Peking, Kanton und Shanghai eröffnet werden.

Die Deutschen sind als Zaungäste dabei. Bentley gehört schließlich seit drei Jahren zur VW-Gruppe, die die Luxusmarke künftig in Asien bekannt machen und vermarkten will. Ab 2003 soll ein neuer kompakter Bentley auf dem Markt erscheinen. "In vier Jahren wollen wir von heute 2000 verkauften Bentleys auf 9000 Wagen weltweit kommen", kündigt Gott an. Rolls-Royce, bisher in einem Konzern mit Bentley zusammengespannt, gehört ab Ende 2002 BMW. Vorerst noch fahren beide Marken in China gemeinsam.

Geschmack am Reich der Mitte

Europäische Hersteller von Luxuswagen finden Geschmack am Reich der Mitte. Als Erste trauten sich 1993 Ferrari und Maserati. Die brauchten zwei Jahre, um nur ein Auto zu verkaufen. 1993 gab es nach den Zahlen des Industrie- und Handelsamtes in China 500 Personen mit einem Vermögen von einer Millionen Yuan. Inzwischen hat Ferrari bereits Stamm- und Klubkunden wie den Pekinger Millionär Li Guangming gewonnen. Der 37-jährige Chef der privaten Handelsfirma Antai hält sich in seiner klimatisierten Garage in einem Pekinger Vorwort Sportwagen so wie Zuchtpferde. "Meinen Ferrari wasche ich allein. Da darf nicht mal meine Frau dran".

Heute gibt es in China zwei Millionen registrierte Yuanmillionäre. Die Dunkelziffer ist hoch. Im vergangenen Februar öffnete auch die Hongkonger Firma Jebsen & Co für Porsche, von dem etwa 70 Wagen in China fahren, einen Showroom in Peking. Drei Sportwagen haben sie seither verkauft. 20 sollen es dieses Jahr werden.

Auch Ford überlegt mit Jaguar und Aston Martin nach China zu gehen. Die Briten aber pflegen das Understatement. Der Markt sei "interessant". Für die ersten beiden Jahre peilen sie nicht mehr als fünf und für 2002 zehn verkaufte Autos an.

Bei Preisen für einen Silver Spur, Corniche oder für den Bentley Arnage Red Label, die mit derzeit noch 80 Prozent Luxuseinfuhrsteuern leicht auf mehr als über sieben Millionen Schilling kommen, scheint das realistisch zu sein. Wenn durch Chinas WTO-Mitgliedschaft bis 2006 die Autozölle auf 25 Prozent fallen, hoffen die Nobelmarken auf die Trendwende. (Johnny Erling, DER STANDARD, Printausgabe 12.5.2001)

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