Boeing fliegt auf Chicago

11. Mai 2001, 19:03
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Firmenzentrale an Michigansee verlegt - Erster Interessent für "Super Sonic"-Jet

Seattle - Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing verlegt seine Konzernzentrale von Seattle nach Chicago, wie die Unternehmensleitung jetzt bekannt gab. Ebenfalls im Rennen um den Sitz des 1916 in Seattle gegründeten Unternehmens waren die Städte Denver und Dallas.

Die Konzernführung hatte im März angekündigt, Seattle verlassen zu wollen und dies mit Einsparungen und dem Wunsch nach einer zentraleren Lage begründet. Im Hauptquartier sind rund 1000 der weltweit knapp 200.000 Boeing-Mitarbeiter beschäftigt. Künftig sollten nur noch knapp 500 Mitarbeiter in der Zentrale arbeiten, der Umzug nach Chicago wird Ende dieses Jahres erfolgen. Die drei Kerngeschäftsbereiche Zivilflugzeuge, Militärjets und Raketensysteme sowie Raumfahrt sollen im Gegenzug noch mehr verselbstständigt werden.

Bindung beendet

Mit dem Umzug beendet Boeing seine fast ein Jahrhundert alte Bindung zu der Region. Firmengründer William Boeing hatte 1910 am Duwamish-Fluss eine Schiffswerft gekauft, die später seine erste Flugzeugfabrik werden sollte. Der Flugzeuggigant war mit Seattle ähnlich verknüpft wie die Kaffeekette Starbucks Coffee und Chinook-Lachs.

Inzwischen gab die britische Virgin Atlantic am Freitag bekannt, als erste Airline Boeings neuen "Sonic Cruiser" ordern zu wollen. Gespräche über den Erwerb von drei bis acht Flugzeugen dieses neuen Typs seien im Laufen, als Auslieferungstermin wurde das Jahr 2008 genannt.

Boeing hatte vor kurzem angekündigt, ein kleineres Flugzeug mit großer Reichweite entwickeln zu wollen, das fast Schallgeschwindigkeit und damit rund 20 Prozent schneller als konventionelle Maschinen fliegen werde. Diese Super Sonic wird ersten Studien zufolge ein radikal gestaltetes Flugzeug mit einem Deltaflügel in der Nähe des Hecks und zwei kleineren Flügeln an der Spitze. Jets dieses Typs sollen je nach Flughöhe eine Geschwindigkeit bis zu 1200 km/h erreichen.

Der Boeing-Vorstoß war nötig geworden, nachdem das Unternehmen beim Bau eines Superjumbos gegen das Europäische Airbus-Konsortium resignieren hatte müssen. Sämtliche Abwehrattacken gegen den A380, der bis zu 600 Passagiere befördern wird, hatten nicht gefruchtet. (Reuters/AP/red/DER STANDARD, Printausgabe 12.5.2001)

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