Die Nacht dauert so lange, wie die Jugend es will

15. Mai 2001, 13:41
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Eindeutiges Ergebnis bei der Jugendvolksbefragung

Wien - Die vergangenen Wochen waren Wiens Schüler und Schülerinnen aufgerufen, in der ersten Jugendvolksbefragung kundzutun, bis wann sie nächtens im Beisl oder beim Clubbing ausbleiben wollen. In Wien brachte die Jugendanwaltschaft deshalb zwei Vorschläge zur Abstimmung. Erstens jenen, der von Jugendlichen in einem "Partizipationsprojekt", so Jugendanwältin Monika Pinterits, selbst erarbeitet wurde: 12-Jährige bis 22 Uhr, bis 16 Jahre: ein Uhr, danach: frei). Für diesen Vorschlag stimmte die Hälfte der Befragten.

Zweitens wurde nach den derzeit nach dem Jugendschutz geltenden Ausgehzeiten gefragt (bis 14 Jahre: 21 Uhr, bis 18 Jahre: bis 24 Uhr): 26 Prozent waren für die Beibehaltung dieser Grenzen. Das Votum für den jugendeigenen Vorschlag war also deutlich.

"Es hat uns gewundert", wie intensiv sich die Schüler und Schülerinnen mit der Volksbefragung auseinander gesetzt haben." Selbst Jugendanwalt und Initiator Anton Schmid war überrascht über die hohe Beteiligung. 30,5 Prozent der fast 70.000 Schüler und Schülerinnen haben mitgestimmt. Die hohe Beteiligung sei ein Zeichen, dass die Schüler "mitreden wollen". Jene, die meinten, Jugendliche seien "total unreif" und deshalb die Aktion "boykottiert" hätten, sollten "beschämt" sein, meint Schmid zu Gegnern des Projekts.

Der Befragung gingen Mühen voran, in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland die Landesgesetze zum Jugendschutz zu harmonisieren. So wurde auch von "erwachsenen" Fachleuten ein Vorschlag erarbeitet, welche Ausgehzeiten angebracht seien. Dieser Vorschlag kam bei der Befragung jedoch nicht zur Abstimmung.

Pinterits betont, welche Ausgehzeiten auch immer in ein neues Gesetz aufgenommen würden, sie seien jedenfalls als "gesetzlicher Maximalrahmen" für Eltern und Kinder zu verstehen, es könne in der Familie auch anders vereinbart werden.

In praktisch jedem Bundesland gelten andere Bestimmungen für den Jugendschutz. Erst vor wenigen Wochen haben Jugendvertreter auf einer Konferenz in Klagenfurt eine österreichweite Vereinheitlichung gefordert. (aw)
(DER STANDARD, Printasugabe, 12.5.2001)

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