Ja zur Embryonenforschung

11. Mai 2001, 18:25
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Gesundheitssprecher aller Parlamentsparteien reagieren positiv

Wien - Der Vorstoß des Gynäkologen und Stammzellenforschers Johannes Huber für die Freigabe der Embryonenforschung (Der Standard, 10. 5.) hat bei den Gesundheitssprechern aller vier Parlamentsparteien ein positives Echo gefunden. Sowohl Erwin Rasinger (ÖVP) als auch Manfred Lackner (SPÖ), Alois Pumberger (FPÖ) und Kurt Grünewald (Grüne) könnten sich, vom Standard zu den Huber-Vorschlägen befragt, vorstellen, diese aufzugreifen und "überzählige" Embryonen aus künstlichen Befruchtungen, die laut geltendem Recht nach einem Jahr vernichtet werden müssen, der Forschung zur Verfügung zu stellen.

Rasinger plädiert dabei für "streng geregelte Bedingungen" und eine "begleitende ethische Kontrolle". Die ÖVP plane zudem für Anfang Juli einen Bioethik-Kongress, auf dem Grundlagen für diese "scharfe Gratwanderung" erarbeitet werden sollen.

Ein Positionspapier zur Bioethik stellt auch Lackner in Aussicht: In 14 Tagen werde eine SPÖ-Expertengruppe an die Öffentlichkeit gehen, man dürfe davon ausgehen, dass darin eine "sehr offene Haltung gegenüber Wissenschaft und Forschung" zum Ausdruck kommen werde.

Pumberger kann sich die Freigabe der Embryonenforschung vorstellen, wenn man "Missbrauch weitgehend ausschließen" könne, im FPÖ- Klub gebe es dazu allerdings noch keine fixe Meinung.

Grünewald zeigte sich "sehr aufgeschlossen" gegenüber dem Argument, dass es besser sei, an den Embryonen zu forschen, als sie einfach nur zu vernichten. Er meldete aber deutliche Bedenken gegen die Art des Huber-Vorstoßes an: Es reiche nicht, wenn einzelne Wissenschafter über die Medien Vorschläge machten, es bedürfe eines "breiten Dialogs", nicht zuletzt mit den Parlamentsklubs. Bisher habe es noch keine "offiziellen Gespräche gegeben".

Uneingeschränkte Zustimmung findet der Vorschlag Hubers, die Frist für die Aufbewahrung von Embryonen von einem auf fünf Jahre zu verlängern. Ein schon 1999 eingebrachter Antrag verfiel mit Auslaufen der Legislaturperiode 1999, müsste also neu eingebracht werden.
(DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2001)

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