Wahlen auf Philippinen: Weiterhin Ausschreitungen

15. Mai 2001, 15:38
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Prognose: Mehrheit für Arroyo zeichnet sich ab

Manila - Bei den Kongress- und Kommunalwahlen auf den Philippinen liegt nach ersten, inoffiziellen Hochrechnungen vom Dienstag das Regierungslager um Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo in Führung. Im Senat, wo 13 der 24 Sitze neu zu vergeben waren, erhielt das Regierungslager laut Wählernachfragen unterschiedlichen Angaben zufolge sieben bis acht Sitze. Fünf Mandate gingen nach Angaben des Fernsehsenders ABS-CBN an Verbündete des gestürzten Präsidenten Joseph Estrada, eines erhielt ein unabhängiger Kandidat. Zum Ausgang der Wahl des Abgeordnetenhauses lag keine Prognose vor.

Die Abstimmung gilt als Test für die Staatschefin, die erst vor knapp vier Monaten nach dem Sturz ihres Vorgängers Joseph Estrada vereidigt wurde. Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit der Wahl nach Darstellung der Behörden auf 98.

Sollten acht Kandidaten der Regierung in den Senat einziehen, würde dies Arroyo eine Mehrheit im Oberhaus sichern, das bisher von Verbündeten Estradas dominiert ist. Allerdings haben auch populäre Kandidaten der Opposition Aussichten auf einen Senatssitz, so etwa die Ehefrau Estradas, Luisa Ejercito, sowie zwei Politiker, die mit einem angeblichen Umsturzversuch Anfang Mai in Verbindung gebracht werden. Offizielle Ergebnisse werden frühestens in zwei Wochen erwartet, da die Stimmen per Hand ausgezählt werden.

Bei den Wahlen waren am Montag mehr als 36 Millionen Menschen aufgerufen, das Parlament, 13 von 24 Senatoren sowie mehr als 17.000 regionale und kommunale Vertreter zu bestimmen. Ein Wahlsieg Arroyos würde ihre Legitimität unterstreichen. Sie hatte das höchste Staatsamt der Philippinen Mitte Jänner nach dem Sturz ihres Vorgängers durch einen Volksaufstand übernommen.

Bereits 98 Menschen getötet

Während des blutigstens Wahlkampfs auf den Philippinen seit 15 Jahren wurden nach Militärangaben seit Jänner 98 Menschen getötet und 138 verletzt. Unter den Toten sind 62 Zivilisten und 24 Behördenvertreter. Wahlkämpfe in der südostasiatischen Inselrepublik sind stets von Gewalt geprägt und fordern jedes Mal Dutzende Tote.

In der Stadt Mayorja im Süden des Landes entführten mutmaßliche Rebellen den Bürgermeister-Kandidaten Zemaida Doria. Die Polizei machte die kommunistische Guerillagruppe Neue Volksarmee (NPA) für die Tat verantwortlich. In zwei weiteren Städten verbrannten Angreifer ausgefüllte Stimmzettel. In einem Küstenbezirk wurden Teilnehmer einer Kundgebung von einem Boot aus beschossen, dabei wurden drei Menschen verletzt. In der Stadt Caloocan wurde die Wahl am Montag wegen Mangels an Stimmzetteln auf den heutigen Dienstag verschoben, in der Stadt Matanog wurde sie nach Granatenanschlägen um einen Tag verlängert. (APA/AP/dpa)

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