EZB: Günstiges Inflationsumfeld

12. Mai 2001, 16:31
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"EZB will mit ihrer Geldpolitik keine Konjunkturpolitik machen"

Hamburg/Madrid - EZB-Ratsmitglieder haben am Freitag die überraschende Leitzinssenkung der Notenbank vom Vortag erneut mit den verbesserten Inflationsaussichten für die Euro-Zone begründet und auch ein weiteres Mal das Ziel der Preisstabilität betont. Beide Säulen der geldpolitischen Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) signalisierten abnehmenden Preisdruck, sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank (Buba), Ernst Welteke, in Hamburg, und bekräftigte Aussagen von EZB-Chef Wim Duisenberg von Donnerstag.

Die derzeit von kurzfristigen Faktoren nach oben verzerrte Inflationsrate in der Euro-Zone werde wohl 2002 unter die EZB-Toleranzgrenze von 2,0 Prozent fallen, zeigte sich Welteke überzeugt. Nach den Worten von EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans war die Zinssenkung für das EZB-Ziel angemessen, mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten.

Abnehmende Gefahren der Preisstabilität

Welteke und Solans betonten, die EZB wolle mit dem Zinsschritt nicht die Konjunktur beleben. Duisenberg hatte die Zinsenkung der EZB unter anderem mit den von der monetären Seite her abnehmenden Gefahren für die Preisstabilität begründet. Dabei verwies er darauf, dass das für die Beurteilung der Inflationsentwicklung wichtige M3-Wachstum von der Notenbank nach oben verzerrt sei. Für März ergebe sich statt der publizierten Jahresrate von 5,0 Prozent nun ein revidiertes Wachstum von 4,4 Prozent. Ein schwächeres M3-Wachstum signalisiert meist zurück gehende Inflationsgefahren.

Welteke bekräftigte am Freitag vor dem Hamburger Wirtschaftsrat der CDU, dass unter Berücksichtigung der Revision die erste Säule der geldpolitischen Strategie keine Preisrisiken mehr signalisiere. Wegen der moderaten Lohnentwicklung und verschlechterter Wachstumsaussichten für die Euro-Zone deute auch die zweite Säule abnehmenden Preisdruck an. "Insgesamt zeichnen beide Säulen der geldpolitischen Strategie ein günstiges Bild", sagte Welteke. Daher habe die Notenbank am Vortag die Zinsen reduziert.

"Zinsüberraschung notwendig, um Märkte zu führen"

Überraschende Zinsschritte seien wichtig, um die Finanzmärkte zu führen, so Welteke laut vwd. Zwar sei eine transparente Geldpolitik wichtig, eine zu hohe Berechenbarkeit berge aber die Gefahr, dass umgekehrt die Märkte die Notenbank führten. Die Währungshüter hätten ihre Entscheidung unabhängig von den Meinungen der Finanzpolitiker und Marktteilnehmer getroffen, so das deutsche EZB-Ratsmitglied: "Die Unabhängigkeit der geldpolitischen Institutionen ist Voraussetzung für ihre Stabilitätsorientierung."

Stabilität auf mittlere Sicht

EZB-Direktoriumsmitglied Solans bezeichnete in Madrid erneut den Erhalt der mittelfristigen Preisstabilität als das Ziel der EZB. "Die Entscheidung war für unser Ziel - Stabilität auf mittlere Sicht - angemessen", sagte Solans am Freitag in Madrid. Bis zu einer Inflationsrate von zwei Prozent sind nach Definition der EZB mittelfristig stabile vereinbar. Auf die Frage, ob die EZB die Zinsen wegen des langsameren Wirtschaftswachstums gesenkt habe, antwortete Solans: "Geldpolitische Entscheidungen werden nicht auf der Grundlage von einzelnen Daten getroffen". Auch Welteke bekräftigte: "Wir wollen mit unserer Geldpolitik keine Konjunkturpolitik machen."

Solans sagte weiter, die EZB sei sich bewusst, dass kurzfristige Inflationsspannungen immer noch existierten. Die Notenbank handle jedoch nicht mit kurzfristigen Zielen. "Wir orientieren uns an einem Ausblick von 18 Monaten und die Aussichten für diesen Zeithorizont haben uns zu der Zinssenkung geführt." (APA/Reuters)

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