Musikalische "Sickerwitze" dringen aus dem Linzer Brucknerhaus

12. Mai 2001, 01:16
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Wolfgang Winkler sieht sein Veranstaltungs- Angebot als Gegenpol zur "Boulevardisierung"

Linz - Als Gegenpol zur medialen und kulturellen "Boulevardisierung" versteht der Chef des Linzer Brucknerhauses Wolfgang Winkler das Veranstaltungsangebot seines Hauses in der Saison 2001/02. "Wir wollen eine andere Art der Unterhaltung, Alternativen des Denkens anbieten", sagte er bei der Vorstellung des Konzertprogramms in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz.

Dazu gehört das klare Bekenntnis zur zeitgenössischen Musik im Brucknerhaus und zur Zusammenarbeit mit jungen Komponisten. Beim Programm und bei der Hinführung des Publikums will man sich neues, anderes einfallen lassen. Das Publikum hat Gelegenheit, vor oder nach einem Konzert den Abend im Restaurant des Hauses einzuleiten oder ausklingen zu lassen. Es wird Hinführungen zu neuen Programmen geben. Das seien "Sickerwitze" für ein neues Angebot, "das dauert eben ein bisschen", meinte Wolfgang Winkler. "Aber da bleiben wir stur".

Im Gegensatz zu den klassischen Konzerten, die zwischen einer Dreiviertel- und Vollauslastung pendeln, erreicht das zeitgenössische Angebot etwa 40 Prozent Publikumszuspruch. Der zeitgenössischen Musik ist in der kommenden Saison eine eigene Reihe gewidmet, mit Schwerpunkt auf jungen Komponisten. Als Artist in Residence wird der in Graz lebende gebürtige Holländer Wim van Zutphen 2001/02 im Linzer Brucknerhaus zu Hause sein. Vor allem jüngeres Publikum wird mit der Reihe "Das andere Programm" angesprochen, in der auch Literatur, Musik der Völker und Jazz Platz haben.

Im Bereich der Kammermusik setzt das Brucknerhaus zu Einzelkonzerten und Streichquartett-Abenden ein gesondertes Kammermusikfestival mit Solisten des Wiener Kammerorchesters ins Programm. Ende April 2002 wird es im Brucknerhaus und auf verschiedenen Plätzen der Linzer Innenstadt ein großes Brass-Festival geben.

Der klassische Konzertsektor Brucknerhaus wird zu einem großen Teil vom Bruckner Orchester Linz bestritten, dabei zwei Mal unter seinem künftigen Chefdirigenten Dennis Russell Davies. In einem Konzert wird die Chefdirigentin der Australian Opera Sydney, Simone Young, am Pult des Bruckner Orchesters stehen - und auch eine Bruckner Symphonie dirigieren. Zu Gast im Linzer Brucknerhaus werden unter anderem auch die Tschechische Philharmonie unter Vladimir Ashkenazy, das Münchner Rundfunkorchester unter Karl-Friedrich Beringer und die Wiener Philharmoniker unter Mariss Jansons sein. Mit Liederabenden gastieren Marjana Lipovsek und Thomas Hampson in Linz. (APA)

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