Drahtzieher hinter Papstattentat weiter im Dunkeln

12. Mai 2001, 15:35
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Untersuchungsrichter äußert jedoch konkreten Verdacht

Rom - Die Hintergründe des Attentats auf Papst Johannes Paul II. vom 13. Mai 1981 sind nach Ansicht des italienischen Untersuchungsrichters Rosario Priore auch 20 Jahre nach dem Verbrechen ungeklärt. Priore, der von 1981 bis 1985 über Hintergründe des Attentats ermittelte, erklärte laut Kathpress am Freitag, es sei weiterhin unmöglich zu sagen, ob östliche oder westliche Geheimdienste oder andere Kreise hinter dem Attentat standen.

Die Schlüsselfigur ist nach Ansicht Priores weiterhin der seinerzeit wegen Drogenhandels verurteilte Türke Oral Celik. Er sei in der Rangordnung der Gruppe, die das Attentat organisierte, höher gestanden als der Täter Ali Agca. Allerdings hätten die in früheren Jahren durchgeführten Verhöre Celiks keine klaren Ergebnisse gebracht.

Kuttenspion

Celik sagte Donnerstagabend in einem italienischen Fernsehinterview, er sei zum Zeitpunkt des Attentats nicht in Rom gewesen, sondern lediglich danach, im Zuge einer Verschleierungsaktion, dorthin gebracht und verhört worden. Die wahren Täter müsse man ganz in der Nähe suchen.

Unterdessen erinnerte die römische Tageszeitung "Il Tempo" in ihrer Freitagsausgabe in einem Artikel über das Papstattentat daran, dass es von 1974 bis 1987 im Vatikan mit dem deutschen Ordensmann Eugen Brammertz einen Stasi-Spion gegeben habe. Brammertz hat nach Erkenntnissen der Berliner Gauck-Behörde bis zu seinem Tod 1987 unter dem Decknamen "Lichtblick" Informationen aus dem Vatikan an die "Hauptverwaltung Aufklärung" des ostdeutschen Gemeindienstes Stasi geliefert.

Die Zeitung berichtet ferner von Hypothesen des römischen Untersuchungsrichters Ferdinando Imposimato, der ebenfalls über das Papstattentat ermittelt hatte. Laut Imposimato waren der bulgarische und der sowjetische Geheimdienst beteiligt. Ferner habe damals der israelische Geheimdienst versucht, die vatikanische Politik zu beeinflussen. (APA)

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