Karina Korecky, Spitzenkandidatin des KSV-Linke Liste

11. Mai 2001, 15:19
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Die uni ist ein durch und durch patriarchaler ort. da bedarf es mehr als nur "spezifischer frauenmaßnahmen".

1) Name, Alter, Studium, Listenplatz

karina korecky, 23 jahre, soziologie und politikwissenschaft, listenplatz 1 des ksv/linke liste für die bundesvertretung

2) Wie fühlst du dich als Frau auf der Uni?

wenn ich mittwoch zu mittag den burschenschafter-aufmarsch vor der uni wien sehe ("farbenbummel" nennt sich das), kommt mir das kotzen. Gleichzeitig weiss ich, dass das nur die spitze des eisberges männlicher kameraderie an den unis ist. 100% putzfrauen, knappe 5% professorinnen, dazu selbst in meinem studium, der soziologie, immer wieder erlebnisse wie zum beispiel folgendes: proseminar zur allgemeinen soziologie, debatte um geschlechtsspezifische arbeitsteilung. 15 frauen und 3 männer anwesend, geredet wird fast nur von den typen, die noch dazu bemerkungen wie "aber hausarbeit ist doch nichts schlechtes" vom stapel lassen. Würg.

3) Was denkst du über spezifische Frauenmaßnahmen auf der Uni?

Die uni ist ein durch und durch patriarchaler ort. da bedarf es mehr als nur "spezifischer frauenmaßnahmen". Der weg darf aber nicht über die anpassung der frauen an männliche maßstäbe gehen, die patriarchale und sexistische normalität an sich muss angegriffen werden. Der cv, die burschenschaften und all die mehr oder weniger "unsichtbaren" männerseilschaften müssen mit allen zur verfügung stehenden mittel bekämpft und zerschlagen werden.

4) Wie ist deine Wahrnehmung von Frauen auf der ÖH? Wo arbeiten sie bzw. wo fehlen sie?

Je nach dem wer gerade "öh" ist. In der derzeitigen exekutive der bundesvertretung sitzen an den entscheidenen schlüsselpositionen (vorsitz und wirtschaftsreferent) keine frauen, an den linken fakultäten der uni wien (gruwi und gewi) sind die vorsitzenden weiblich. Die weiblichen mandatarinnen der aktionsgemeinschaft haben sich in den sitzungen der vergangenen zwei jahre gezählte zweimal zu wort gemeldet, die linke opposition wird fast ausschließlich von frauen dominiert. Generell gilt auch für die öh (wie sonst fast überall): je weniger einflußreich die posten, desto mehr frauen - je prestigeträchtiger die arbeit, desto mehr männer - je weiter links, desto mehr frauen an den schaltstellen - je weiter rechts, desto weniger.

5) Wie schauen die frauenpolitischen Forderungen/Ansätze deiner Fraktion aus? Habt ihr ein frauenpolitische Programm und wenn ja welches?

Positionen in voller länge nachzulesen unter: www.univie.ac.at/ksv kurzfassung: smash patriarchy!

6) Wie ist das ungefähre zahlenmäßige Verhältnis von Männern und Frauen in deiner Fraktion und wo speziell arbeiten Frauen bei euch?

Im ksv/linke liste arbeiten etwas mehr männer als frauen. Ich habs zwar nicht nachgezählt, aber ich würd schätzen: 55% - 45%. Alle funktionen sind von frauen besetzt (vorsitz, sekretariat, chefredaktion der UNITAT und finanzverantwortung). Diskussionen finden nach dem reissverschlussprinzip statt (nach einem mann ist immer eine frau am wort, egal wieviele männer sich vorher gemeldet haben), bei entscheidungsfindungen gilt das progressive frauenstimmrecht, d.h. frauen haben immer mindestens gleich viele stimmen wie männer (bsp: 3 frauen, 6 männer -> alle frauen haben zwei stimmen). Geschlechtsneutrale schreibweise ist für alle ksv-publikationen verpflichtend.

7) Was denkst du über die Abschaffung des Frauenministeriums und wie beurteilst du die Notwendigkeit eines Frauenreferats auf der/den ÖH/s?

Die abschaffung des frauenministeriums ist wohl sichtbarster und symbolischster ausdruck der antifeministischen und frauenfeindlichen politik der schwarzblauen regierung. Auch wenn rauch-kallat&co überall herumrennen und verkünden, dass sie "stark, schwarz und weiblich" seinen, täuscht das nicht über die massiven angriffe der schwarzblauen auf mühsam erkämpfte frauenrechte hinweg.

Frauenreferate sind eine unbedingte notwendigkeit in der öh. Sie müssen autonom arbeiten können, dürfen aber nicht gefahr laufen sozusagen zum alibi dafür zu werden, dass sich der rest der öh nicht mehr mit feministischer politik auseinandersetzen muss. Neuestes beispiel: die bundes-öh hat eine plakatkampagne zur bewerbung des volksbegehrens in auftrag gegeben. Ein sujet zeigt beine und hintern einer frau, bekleidet mit rotem, kurzem minirock und lackstiefeln. Unter ihr liegt ein typ mit nacktem oberkörper, der über einen ihrer stiefel schleckt. Drüber steht: "bildung macht stark". Die frauenreferentin der bundesvertretung hat heftig gegen dieses widerwärtige, sexistische plakat protestiert und beantragt, dass es eingestampft wird. Null reaktion seitens der exekutive. Wortmeldung einer ag-mandatarin: "ich finde, dass da der mann diskriminiert wird". Tja. Frausein allein ist halt kein programm. Kurz gefaßt: ein frauenreferat braucht ersten echte kompetenzen, einspruchsrechte und genügend budget und zweitens d arf es kein "frauenfreundliches" feigenblatt der öh sein.

8) Wie ist deine Meinung zur Einrichtung der Männerabteilung und meinst du über so eine Abteilung im Zusammenhang mit der ÖH?

die "männerabteilung" schlägt dem fass den boden aus. scheinbar geht's hier um die angst des stammtisches bei soviel weiblicher "bevorzugung" nun "diskriminiert" zu werden. Wenn das nicht ernst gemeint wäre, könnte frau darüber eigentlich nur lachen.

9) Was denkst du als Studentin über das Kindergeld? Was steht für dich da im Vordergrund? Die "Erleichterung" oder die "Abschiebung zur Kinderbetreuung"?

Kindergeld ohne ausreichende, kostenlose und qualitativ gute kinderbetreuungseinrichtungen? Ist ja wohl ein scherz. Wie sollte ich denn von 6.000,- im monat leben können? Auf den ersten blick erscheint es positiv, dass nun auch studierende eltern karenzgeld, pardon: kinderprämien, erhalten können, aber bei betrachtung des kontextes wird deutlich: hier geht es um die förderung eines neokonservativen familienideals und darum frauen entweder ganz von arbeitsmarkt oder in prekäre beschäftigungsverhältnisse zu drängen. (Red)

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