"Dienst nach Vorschrift" bei Euro-Einführung

11. Mai 2001, 18:55
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Gewerkschaft: Aktionen gegen erweiterte Ladenöffnung

Wien/Linz - Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) droht "Aktionen" zu setzten, die "negative Auswirkungen auf ein reibungsloses Funktionieren der Euro-Umstellung zum Jahreswechsel" haben könnten, sollte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein die Liberalisierungspläne bei Ladenschluss und Samstagsarbeit im Handel umsetzen.

GPA-Sekretär Erich Reichelt sagte zum STANDARD, darunter sei beispielsweise "ein österreichweit akkordiertes passives Verhalten der Angestellten" bei der Euro-Umsetzung in den Unternehmen zu verstehen.

Auch wenn sich der Wirtschaftsminister aller Voraussicht nach bei der Ladenöffnung nicht mit seinen Plänen durchsetzen werden könne, stehe auch die Änderung bei der Samstagsregelung im Raum. Derzeit muss Handelsangestellten im Prinzip jeder zweite Samstag freigegeben werden. Dies soll auf maximal 26 Samstage pro Jahr geändert werden. Ausgenommen davon sollen Teilzeitarbeiter und Provisionsbezieher sein.

"Traurig"

Im Wirtschaftsministerium freilich wird die Lage für die Liberalisierung des Ladenschlusses als "eher traurig" angesehen. Der Großteil der Stellungnahmen zum Bartenstein-Entwurf ist negativ. Der Minister wollte prinzipiell ermöglichen, dass in Österreich Handelsgeschäfte ihre Öffnungszeiten zwischen Montag, null Uhr, und Samstag, 17 Uhr, frei gestalten dürfen - in einem Maximalrahmen von wöchentlich 72 Stunden (derzeit 66). Die Landeshauptleute sollten die Möglichkeit bekommen, dies einzuschränken.

Interessanter Aspekt: Obwohl die FPÖ-Parlamentsfraktion sich weigert, der "Nachtöffnung" zuzustimmen, schreibt im FP-dominierten Kärnten das Amt der Landesregierung: "Aus Landessicht ist gegen Liberalisierungsbestrebungen im Öffnungszeitenrecht grundsätzlich kein Einwand vorzubringen." Die Ermächtigung der Landeshauptleute, Sonderregelungen zu schaffen, "erscheint entbehrlich". Auch die Grenze "Samstag, 17 Uhr" sei zu knapp "im Zuge ,touristischer Großereignisse' wie z. B. den Landesausstellungen". (szem, DER STANDARD, Printausgabe 12.5.2001)

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