Empörung über Fürstin Glorias Auftritt in der Talkshow "Friedman"

11. Mai 2001, 14:43
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Rassistische Äußerungen zur Aids-Problematik in Afrika

Michel Friedman, Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, hält die Äußerungen der Fürstin für "außerordentlich bedenklich und unverantwortlich". Er sei "sehr erschrocken" gewesen, "mit welch stereotypen Vorurteilen sie Menschen mit anderer Hautfarbe beschrieben hat". Als Journalist habe er ihre Bemerkungen nicht kommentieren können, doch "ich reagierte sehr bewusst und engagiert", sagte Friedman laut spiegel.de.

Äußerungen der Regensburger Fürstin Gloria von Thurn und Taxis über den angeblichen Zusammenhang zwischen dem Sexualleben von Afrikanern und der Aids-Seuche haben einen Sturm der Empörung ausgelöst. Die 41-jährige Adelige hatte in der ARD-Talkshow "Friedman" Schwarzen unterstellt, dass sie besonders viel "schnackseln". Deswegen gebe es in Afrika so viele an HIV Erkrankte. Auf den Einwurf Friedmans, dass der Weiße auch gerne "schnacksle", erweiterte die Fürstin ihre Theorie, dass "man da, wo es wärmer ist, aber noch lieber schnackselt". Somit gelte das auch für die Italiener.

"Diskriminierend und absoluter Schwachsinn"

In der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) bezogen mehrere Dunkelhäutige zu den Aussagen von Gloria deutlich Stellung. "Das ist doch absoluter Schwachsinn und total diskriminierend", sagte die Schauspielerin Liz Baffoe. Auch Paulo Sergio, Stürmer von FC Bayern München, "kann nicht verstehen, wie man so etwas sagen kann". TV-Moderatorin Mo Asumang kritisierte das "dumme Vorurteil" und VIVA-Moderator Mola Adebisi bescheinigte Gloria "wenig Bildung".

Auch andere bayerische Blätter kritisierten am Freitag Glorias TV-Auftritt. Die Fürstin sei von einem Fettnäpfchen ins nächste gestolpert, schrieb die Münchner "Abendzeitung" und titelte: "Mit Verlaub, Fürstin, sie reden Blödsinn!". Talkmaster Michel Friedman nannte Glorias Äußerungen in dem Blatt "unerträglich und unverantwortlich".

Die Münchner "TZ" bemerkte, Glorias Statements hätten Friedman in der Sendung teilweise die Sprache verschlagen. Die "Mittelbayerische Zeitung", als Regensburger Lokalblatt traditionell mit dem Thurn-und-Taxis-Fürstenhaus verbunden, schrieb, Friedman habe Gloria ausreden lassen, "auch wenn er sie zu ihrem Heil besser unterbrochen hätte". (APA/red)

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