Grazer Techniker suchen nach Alternativen zur Tierabfall-Verbrennung

11. Mai 2001, 13:42
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Alternativen zu Tiermehlproduktion und Entsorgung

Graz - Nach dem Auftreten von BSE und Maul- und Klauenseuche sind die Lagerkapazitäten für Tiermehl an ihren Grenzen angelangt. An der Grazer Technischen Universität macht sich nun eine interdisziplinäre Gruppe von Experten auf die Suche nach alternativen Verwertungsmöglichkeiten von Tierkörpern und Schlachtabfällen.

Sinnvollerer Umgang mit den Abfällen "Wir suchen Technologien, die uns einen sinnvolleren Umgang mit den Abfällen bieten als den der Erzeugung von Tiermehl und dessen Verbrennung", so Gerhard Braunegg. Der Biotechnologe hat sich gemeinsam mit anderen zur ersten so genannten Task Force der Grazer TU zusammengefunden.

Wege der Verwertung von Tierkörpern

Nach Ansicht der Expertengruppe, die Erich Hödl, der Rektor der Grazer Universität ins Leben gerufen hat, dürfe sich die Forschung nicht nur am Problem Tiermehlverwertung fest klammern, sondern sei aufgerufen, über die bisherige Verarbeitungskette hinaus neue Wege der Verwertung von Tierkörpern zu finden.

Jeder Produktstrom muss geforderte Sicherheit gewähren

"Vom Schlachthaus weg ist jene Prozesskette zu definieren, die wirtschaftlich und ökologisch am vorteilhaftesten ist und uns gleichzeitig garantiert, dass jeder Produktstrom auch die geforderte Sicherheit gewährt", umriss der Grazer Verfahrentechniker Michael Narodoslawsky die selbst gesetzten Aufgaben der Gruppe. Und das alles soll möglichst kurzfristig möglich sein: Schon in drei Monaten will die Grazer Task Force erste Projektvorschläge jenseits von Tiermehlproduktion und -verbrennung auf den Tisch legen.

Verbrennung macht nicht alle Erreger unschädlich

"In Österreich wird vorrangig die Tiermehlverbrennung diskutiert", so Narodoslawsky. Neben der Problematik der damit notwendigen Abgasreinigung - der Proteinanteil der Abfälle liefert bei der Verbrennung große Mengen an Stickoxiden - gebe es noch immer die Vermutung, dass bei der Verbrennung nicht alle Erreger unschädlich gemacht und mögliche Infektionsgefahren völlig ausgeschlossen werden könnten. Zusätzlich zum Restrisiko seien auch noch die Kosten für die Verbrennung zu berücksichtigen.

Tierabfälle sind ein hochwertiger Grundstoff

"Wir verstehen die Tierabfälle als wertvollen und billig verfügbaren Lieferanten von Grundstoffen für eine auf nachwachsenden Rohstoffen aufbauende Chemiewirtschaft", so Narodoslawsky. So könnten die überwiegend aus Proteinen, Eiweißstoffen, Calcium und Fetten, durchaus auch einer anderen Verwendung als der der Verbrennung zugeführt werden.

In drei Monaten will man Ergebnisse präsentieren

Der Zeitrahmen der Arbeit der Task Force, für die die Universitätsleitung "einige Hunderttausend Schilling" zur Verfügung gestellt hat, ist auf drei Monaten begrenzt. Bis dahin soll das vorhandene Expertenwissen gebündelt, die Literatur analysiert und sich abzeichnende Lösungswege in Projektvorschläge für weitere Forschungsvorhaben gegossen sein. Kontakte zur betroffenen Wirtschaft und der Industrie habe man bereits geschlossen, so Braunegg. (APA)

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