Japan verbannte Lepra-Kranke über Jahrzehnte hinweg in Isolationslager

11. Mai 2001, 13:11
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127 Patienten erhielten nun per Gerichtsurteil 230 Millionen Schilling zugesprochen

Tokio - Der japanische Staat ist erstmals wegen der jahrzehntelangen Zwangsisolierung von Lepra-Kranken zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Distriktgericht in der südjapanischen Stadt Kumamoto befand den Staat am Freitag für schuldig, noch bis vor fünf Jahren Lepra-Patienten per Gesetz gezwungen zu haben, völlig isoliert vom Rest der Bevölkerung zu leben, obgleich die Krankheit bereits seit den 40er Jahren behandelbar sei. Das Gericht folgte damit der Klage einer Gruppe von 127 früheren Lepra-Patienten und verurteilte den Staat zur Zahlung von 1,82 Milliarden Yen (232 Mill. S).

Es war das erste Urteil in einer Reihe von Klagen, die von insgesamt 799 Menschen gegen den Staat angestrengt wurden. Der japanische Staat hatte 1953 ein Vorkriegsgesetz zur Zwangsisolierung von Lepra-Kranken verschärft und die Menschen zu einem Leben in Ghettos gezwungen. Viele wurden sterilisiert, manche auch zu Abtreibungen gezwungen. Staat und Gesellschaft haben diese Menschen zu Aussätzigen gemacht. Bis heute müssen sie unter dem Stigma leiden.(APA/dpa)

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    Ehemalige Patienten applaudieren, als sie vom Gerichtsurteil erfahren

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