Prozess: 53-Jähriger soll Ex-Freundin fünf Mal vergewaltig haben

11. Mai 2001, 12:11
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25-jährige Heimhilfe erstattete erst nach Monaten Anzeige

Wien - Ein Schöffensenat (Vorsitz: Andreas Böhm) im Wiener Landesgericht musste sich am Freitag eingehend einer Beziehung widmen, die innerhalb kürzester Zeit von einer - zumindest halbwegs - harmonischen Partnerschaft zum wahren Albtraum mutiert sein dürfte. Alfred B. (53) soll es nicht verwunden haben, dass sich seine Freundin bereits nach zwei Wochen wieder von ihm trennte. Er hat laut Anklage die Frau danach monatelang mit Anrufen, SMS-Nachrichten und persönlichen Besuchen genervt - und fünf Mal vergewaltigt.

"Das sind schwere Vorwürfe", versicherte der Richter dem Beschuldigten vor dem Beginn der Einvernahme. Alfred B. soll seiner Ex-Freundin, eine inzwischen 25-jährige Heimhilfe, im Sommer und Herbst vergangenen Jahres das Leben zur Hölle gemacht haben. Laut Staatsanwältin Susanne Waidecker hat der gelernte Schlosser nicht nur sexuelle Übergriffe zu verantworten, sondern auch üble Drohungen. "Ich schieß dir den Schädel weg", soll eine seiner Ankündigungen gelautet haben.

Angeklagter leugnet

Der Angeklagte wollte davon jedoch nichts wissen und bekannte sich nicht schuldig. Er habe sich mit dem mutmaßlichen Opfer auch nach dem Ende der Liebesbeziehung getroffen, und zwar "bekanntschaftlich" bzw. "freundschaftlich", wie er betonte. Sogar Geld habe er ihr dabei gegeben, da die Frau "Probleme" habe. Die möglichen "psychischen Beeinträchtigungen" könnten von Jugenderlebnissen - etwa dem Selbstmord eines Freundes - herrühren, vermutete der Angeklagte. "Ich bin mir nicht ganz sicher, wer da Probleme hat", meinte der Richter.

Als Beispiel dafür, dass die 25-Jährige von sich aus den Kontakt zu ihm gesucht hat, erwähnte B. die Geschehnisse rund um einen Urlaubsaufenthalt in Werfen (Salzburg). Die junge Frau hat demnach betont, dass sie die Reise alleine verbringen wolle. "Sie hat mich dann angerufen und gesagt, ich soll trotzdem kommen", erzählte der Angeklagte, der sich prompt ins Auto setzte und zu seiner "Ex" fuhr. Was laut Alfred B. aus "Mitleid" geschehen ist ("Sie hat mir leid getan") endete gemäß Anklage mit einer weiteren Gewalttat: Der Mann soll die Heimhilfe im Hotelzimmer vergewaltigt haben.

Das mutmaßliche Opfer hat erst nach Monaten einem befreundeten Paar von ihrem Martyrium erzählt. Die Bekannten drängten die junge Frau erfolgreich, nun doch endlich Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Alfred B. wurde daraufhin vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Inzwischen befindet er sich wieder auf freiem Fuß - und hat die strikte Weisung, den Kontakt zu seiner Ex-Freundin strikt zu meiden. Andernfalls würde er erneut hinter Gitter wandern. (APA)

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