Wahlkampf biegt in die Zielgerade ein

11. Mai 2001, 11:53
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Rutelli: Kein Appell gegen "Gefahr Berlusconi" - Spannende Wahlduelle in den Metropolen

Rom - Der italienische Wahlkampf - bisher schon heiß ausgefochten - tritt in die Endphase. Die Kandidaten für die Parlamentswahlen am Sonntag ballen ihre Energien zusammen und richten letzte Appelle an die zirka noch 30 Prozent unentschlossenen Wähler. Oppositionschef Silvio Berlusconi und seine Verbündeten haben zu einem "Wahlfinale" in Rom aufgerufen. Auf der zentralen "Piazza del Popolo" will Berlusconi nochmals die Italiener auffordern, "sich für das Neue zu entscheiden".

"Sonntag ist der Tag des Gerichts. Die Italiener können sich endlich von den Erben der Kommunisten befreien", lauten Berlusconis letzte Wahlappelle. An der großen Abschlussfeier in Rom wird der Chef der mit Berlusconis verbündeten Lega Nord, Umberto Bossi, allerdings nicht teilnehmen; er schließt seine Wahlkampagne in der lombardischen Stadt Bergamo ab.

Kein Appell gegen "Gefahr Berlusconi"

Die Parteivorsitzenden des Regierungsbündnisses "Ölbaum" werden am Freitag keinen gemeinsamen Appell an die Wähler gegen die "Gefahr Berlusconi" richten, sondern in unterschiedlichen Städten die Wahlkampagne beenden. Am Samstag ist von Gesetz wegen eine Ruhepause vor den Wahlen geplant, während der die Kandidaten keine Wahlreden mehr halten dürfen.

Beide Spitzenkandidaten müssen nicht nur die Wahlen landesweit gewinnen, sie müssen sich auch in ihren jeweiligen Wahlkreisen durchsetzen, um überhaupt einen Parlamentssitz zu erhalten. Rutelli muss seinen Parlamentariersitz in Rom erst erobern, und Berlusconi tritt in Mailand gegen die Fußball-Legende Gianni Rivera an. Der Ex-Fußballstar, der nach einer glänzenden Karriere als Mittelfeldspieler in den Reihen von AC Milan in die Politik eingestiegen ist, hat seit 1996 den Posten des Staatssekretärs im Verteidigungsministerium inne.

Mehrere spannende Wahlduelle

Die Parlaments- und Teilkommunalwahlen am Sonntag bieten noch mehrere spannende Wahlduelle, welche die politische Szene in der nächsten Legislaturperiode tiefgreifend beeinflussen werden. Der Chef der rechten Nationalallianz (AN), Gianfranco Fini, misst sich in Rom mit Ex-Finanzminister Augusto Fantozzi. Für den AN-Chef dürfte der Wahlkampf keine außerordentlichen Überraschungen bereiten. Seine Kandidatur reichte der 49-jährige Fini in einem römischen Wahlkreis ein, der seit Jahren massiv seine Nationalallianz wählt. Dem 61-jährigen Fantozzi, der zu den bekanntesten Steuerexperten des Landes zählt, werden nur geringe Erfolgschancen eingeräumt, doch der Kandidat der Regierungskoalition lässt sich nicht entmutigen.

Sichere Sache für Giuliono Amato

Einen sicheren Wahlkreis hat auch Regierungschef Giuliano Amato ausgesucht. Der Premierminister kämpft gegen einen unbekannten Rechtsanwalt der Nationalallianz, Antonio Mugnai, im Wahlkreis von Grosseto. Die toskanische Stadt gilt seit jeher als Hochburg der Linken. Schwieriger ist der Wettlauf von Amatos Vorgänger Massimo D'Alema in seiner apulischen Heimatstadt Gallipoli. Der 52-jährige Spitzenpolitiker der Linksdemokraten muss sich vor seinem Gegner, dem Justizexperten der Nationalallianz, Alfredo Mantovano, in Acht nehmen, der laut Umfragen kontinuierlich an Stimmen gewinnt. Mantovano konnte auf die aktive Unterstützung von Silvio Berlusconi zurückgreifen, der in D'Alemas politischem "Jagdrevier" kürzlich eine umstrittene Wahlshow nach Forza Italia-Modell organisiert hat.

Auch auf lokaler Ebene mangelt es nicht an spannenden Konfrontationen. Der bisherige Mailänder Bürgermeister Gabriele Albertini kämpft gegen den Helden der Anti-Korruptionsoffensive "Mani Pulite" (Saubere Hände), Antonio Di Pietro, und gegen einen unbekannten Gewerkschafter, Sandro Antoniazzi, Kandidat der Mitte-Links-Koalition. Die Ex-Innenministerin Rosa Russo Jervolino kandidiert in Neapel gegen den Rechtsanwalt der AN, Antonio Martusciello. Ein großes Fragezeichen ist noch der Bürgermeisterkampf in Rom zwischen dem Linksdemokratenchef Walter Veltroni und dem Ex-Berlusconi-Sprecher Antonio Tajani. (APA)

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