Genetische Veränderungen bei Angstpatienten

11. Mai 2001, 10:07
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97 Prozent haben Mutation auf Chromosom 15

Edinburgh - Panikattacken und Angststörungen hängen offenbar auch mit einer seltenen Genveränderung zusammen. Bei der Untersuchung von Phobikern entdeckten spanische Wissenschafter bei 97 Prozent der Patienten eine Verdopplung des genetischen Materials auf Chromosom 15. In einer Vergleichsgruppe mit gesunden Menschen tauchte diese Veränderung nur bei sieben Prozent auf. Experten versprechen sich von der Studie die Entwicklung besserer Medikamente gegen Angststörungen.

Der Molekulargenetiker Xavier Estevill aus Barcelona vermutet, dass entweder ein Gen auf einem anderen Chromosom oder aber äußere Einflüsse in der frühen Entwicklung der Patienten für die Veränderung auf Chromosom 15 verantwortlich sind. Die These, dass die Mutation eines Gens die Veränderung eines anderen auslöst, wurde bisher allerdings nur bei Pflanzen und nicht bei Menschen nachgewiesen. Estevill erklärte, die Genveränderung sei vermutlich nicht ererbt, da sie nicht in allen Zellen der Patienten gefunden worden sei: "Möglicherweise wird man mit dieser Mutation geboren, aber möglicherweise entwickelt sie sich auch erst nach der Geburt."

Verdopplung auf Chromosom 15

Der Wissenschafter hatte zunächst 140 Mitglieder von Familien eines spanischen Dorfes untersucht, bei denen mindestens ein Mitglied unter sozialer Phobie, Agoraphobie (Angst vor offenen Plätzen) oder immer wiederkehrenden Panikattacken litt. Dann überprüfte er 70 Einzelpersonen mit solchen psychischen Störungen und 189 gesunde Menschen. Ergebnis: Die Verdopplung auf Chromosom 15 tauchte bei allen 140 Personen aus der Familiengruppe und bei 68 der Patienten aus der Einzelgruppe, aber nur bei sieben der 189 gesunden Menschen auf.

Damit ist nach Ansicht des Wissenschafters klar, dass diese Genveränderung ein Verdachtsmoment für Angsterkrankungen ist. "Es bedeutet aber nicht, dass man automatisch an einer solchen Störung erkrankt, wenn man diese Mutation aufweist", betonte Estevill. Denn in der Gruppe der Familien mit mindestens einem Angstpatienten sei zwar bei allen Personen die Genveränderung, aber nur bei 40 Prozent eine Phobie diagnostiziert worden. (APA/AP)

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