Dresdner Bank verdient weniger als erwartet

11. Mai 2001, 16:57
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Druck Allianz wächst - Aktionäre fordern Klarheit über die Übernahme

Frankfurt - Die Dresdner Bank hat im ersten Quartal 2001 weniger verdient als von Analysten erwartet. Damit steigt nach Einschätzung der Experten der Druck auf die Allianz, die Investoren von der Profitabilität der geplanten Übernahme der Bank zu überzeugen. Der Gewinn vor Steuern sei in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 2,4 Prozent auf 253 Millionen Euro gestiegen, teilte das Institut am Freitag mit. Analysten hatten im Schnitt beim Vorsteuerergebnis 335 Millionen Euro erwartet und kritisierten den erneut deutlichen Anstieg der Verwaltungskosten. Auf der Hauptversammlung am Freitag kündigte Bankchef Bernd Fahrholz zudem ein neues Kostensenkungsprogramm zur Steigerung der Profitabilität an.

Auch beim Gewinn nach Steuern blieb die Bank mit einem Anstieg um knapp 20 Prozent auf 159 Millionen Euro hinter den Expertenerwartungen von 232 Millionen Euro zurück. Das Handelsergebnis fiel den Angaben zufolge im Jahresvergleich um 15,7 Prozent auf 451 Millionen Euro. Im operativen Bereich verzeichnete die Bank nur beim Zinsüberschuss einen Zuwachs, und zwar um 5,5 Prozent auf 1,010 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss sank den Angaben zufolge um 15,2 Prozent auf 1,070 Milliarden Euro. Kostensteigerungen

Der Verwaltungsaufwand sei um 16,2 Prozent auf 2,157 Milliarden Euro gestiegen. Während der Kostenanstieg höher ausgefallen sei, schienen die operativen Erträge trotz der Rückgänge zum Vorjahr solide. "Der Vorstand ist entschlossen, dem Thema seine Aufmerksamkeit zu widmen", sagte Fahrholz der Hauptversammlung. Ziel des Kostensenkungsprogramms sei es, über ein stringentes Kostenmanagement die Profitabilität zu steigern. Die Kosten-Ertrags-Relation der Unternehmensbereiche könne ebenso wie die Corporate Center optimiert werden. Details sollen in den kommenden Wochen festgelegt werden.

Die Kosteneinsparungen sollten neben den erwarteten Effekten aus der geplanten Übernahme der Bank durch die Allianz stehen, sagte Fahrholz. Seit der Ankündigung der geplanten Übernahme im März sind aber nur wenig Details über geplante Einsparungen und Ertragspotenziale etwa durch die Ausweitung der Vertriebskanäle für Bank- und Versicherungsprodukte bekannt geworden.

Aktionäre fordern Klarheit über Übernahme

Auch zahlreiche Aktionäre forderten bei der Hauptversammlung mehr Klarheit über die Übernahme. "Lassen sie mehr Zahlen raus, sonst könne wir nicht entscheiden", sagte Ulrich Hocker von der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Fahrholz sagte zum geplanten Zusammengehen lediglich, die Stimmung bei den Gesprächen sei "konstruktiv und partnerschaftlich". Über inhaltliche Fragen werde diskutiert, in einigen Punkten müsse man sich "Zusammenraufen". Man sei aber zuversichtlich, dass der Zusammenschluss eine "Erfolgsstory" werde. Details würden am 31. Mai bekannt gegeben, wenn die Allianz ihr Angebot vorlege.

Die Allianz hatte Ende März angekündigt, die Dresdner Bank übernehmen zu wollen und so den viertgrößten Finanzkonzern der Welt zu schaffen. Dresdner-Aktionäre sollen für zehn eigene Aktien einen Anteilsschein der Allianz sowie 200 Euro erhalten. Das Angebot nannte Fahrholz fair, Nachverhandlungen - wie von einigen Aktionären gefordert - werde es nicht geben. Auch eine Hauptversammlung zur Abstimmung über das Umtauschangebot sei nicht notwendig. Unter Analysten gilt die Übernahme als sicher. (Reuters)

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