Österreichisches Schneeglöckchen- Medikament gegen Alzheimer reüssiert

11. Mai 2001, 21:45
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Studie auf dem Kongress der American Academy of Neurology präsentiert

Philadelphia - Eine weitere Hoffnung für die weltweit bis zu 22 Millionen Morbus Alzheimer-Patienten: Das in Österreich von Sanochemia entwickelte Alzheimer-Medikament "Galanthamin" wirkt bei Patienten mit der fortschreitenden Demenz auch über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren. Bisher gab es für solche Arzneimittel vor allem Wirksamkeitsstudien mit einer Dauer von bloß sechs Monaten. Dies wurde am Donnerstag beim Jahreskongress der American Academy of Neurology in Philadelphia (US-Bundesstaat Pennsylvania) bekannt gegeben.

Aus Schneeglöckchen

Der Wirkstoff "Galanthamin" stammte ursprünglich aus Schneeglöckchen und wird mittlerweile synthetisch hergestellt. Das Arzneimittel ("Reminyl") hat mittlerweile weltweit für Aufsehen gesorgt. Es handelt sich dabei um einen so genannten Cholinesterasehemmer. Das bedeutet, dass das Medikament den Abbau des anregenden Nervenbotenstoffs Acetylcholin im Gehirn der Betroffenen hemmt. Das erfolgt über die Blockade des Enzyms Acetylcholinesterase. Für "Galanthamin" gibt es auch Hinweise auf eine zusätzlich positive Wirkung auf die Nikotinrezeptoren im Gehirn. Das Arzneimittel ist in Österreich, den USA und anderen Ländern zugelassen.

"Wir waren an der Klärung der Frage interessiert, ob der Effekt von Galanthamin zwei Jahre lang und mehr andauert", erklärte Dr. Rachelle Doody vom Baylor College for Medicine in Houston (US-Bundesstaat Texas). Sie organisierte die Studie. Der Wirkstoff - wie auch ähnliche Substanzen anderer Pharma-Unternehmen - war bisher vor allem über kürzere Zeiträume hinweg erprobt worden.

Studie

Bei der wissenschaftlichen Untersuchung wurde von 636 Alzheimer-Patienten ausgegangen, die "Galanthamin" zunächst im Rahmen einer Placebo-kontrollierten Studie sechs Monate lang erhalten hatten. Eine Gruppe bekam das echte Medikament, die zweite ein Scheinmedikament. Nach dem Ende dieser ersten wissenschaftlichen Untersuchung wurden dann möglichst alle Patienten auf das echte Medikament umgestellt und weitere 18 Monate lang überwacht.

Das Hauptergebnis: Bei jenen Alzheimer-Kranken, die insgesamt zwei Jahre lang das aus Österreich stammende und vom Pharmakonzern Janssen weiter entwickelte bzw. vertriebene Medikament bekamen, war die Gehirnleistung nach zwei Jahren besser als innerhalb des ersten Jahres. Im Vergleich zu den Werten, die bei anhaltender Einnahme eines Scheinmedikaments (Placebo) zu erwarten gewesen wären, vergrößerte sich der Effekt der echten Behandlung ständig. Menschen, die an Morbus Alzheimer leiden und nicht behandelt werden, zeigen einen ständig fortschreitenden Abbau ihrer Hirnleistung.

Dr. Rachelle Doody: "Wir wissen noch nicht, ob diese verlängerte Wirkung von Galanthamin auf den Effekt auf die Nikotinrezeptoren zusätzlich zu der Hemmung der Cholinesterase zurückgeht." Das werde aber jetzt untersucht, erklärte die Expertin.

Betroffene

Weltweit wird die Zahl der Alzheimer-Patienten auf elf bis 22 Millionen geschätzt. Eine erst vor kurzem erschienene Studie ergab für Österreich im Jahr 2000 eine Zahl von rund 90.500 Demenzpatienten, von denen 60.400 an Morbus Alzheimer litten. Die Zahl der Erkrankten steigt international dramatisch an. Das liegt an der Bevölkerungsentwicklung. Derzeit leben allein in den USA rund vier Millionen Alzheimer-Patienten. Im Jahr 2050 sollen es 14 Millionen sein.

Die derzeit vorhandenen Arzneimitteln können das Fortschreiten der Erkrankung vor allem hinausschieben. Doch auch das hilft den Betroffenen, länger zu Hause leben zu können und entlastet die Angehörigen. (APA)

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