Wahnsinn mit Methode

11. Mai 2001, 01:51
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Neues von Rob, Plastilina Mosh, Boredoms,...

ROB Don't Kill Rob
(Source/Virgin)

Die mit französischen Acts wie Daft Punk, Air oder Phoenix erfolgreich betriebene Neusichtung schrottreifer Easy-Listening- und Middle-of-the-Road-Popmusik aus den 70er-Jahren erreicht mit dem Debütalbum dieses jungen Mannes einen neuen schauerlichen Höhepunkt. Bilitis trifft Jesus Christ Superstar, lässt sich Hair wachsen und komponiert Je T'Aime als Soundtrack für einen Schmelzkäse-Werbeclip völlig neu - mit gestopfter Trompete und den Frauenchören des späten Elvis Presley. Warum auf dem CD-Cover kein diesbezüglicher Warnhinweis angebracht wurde, ist leicht beantwortet: das hässlichste Cover der letzten zehn Jahre! Krank. Genial. schach

PLASTILINA MOSH Juan Manuel
(Grand Royal/Virgin)

Mit etwas mehr Bohnen im Hintern betreibt auch diese auf dem Label der Beastie Boys veröffentlichende Band aus Mexiko Historienschau. Im Gegensatz zu Rob setzt man sich allerdings vorwiegend mit anspruchsvolleren Ahnen auseinander. Neben heftigen Disco- und Punk-Einschüben werden etwa im Stück Nordic Laser Erinnerungen an die deutschen Elektronik-Opas La Düsseldorf wach oder ergeht sich Plastilina Mosh in heute nicht mehr für möglich gehaltenen Vocoder-Scheußlichkeiten. Höhepunkt: Im Song Human Disco Ball wird das gute alte Trio ("Da Da Da!") mit einem Sample geadelt. schach

DIVERSE INTERPRETEN Exorcising The Ghosts - The Return Of The Austropop-Zombies
(Intonation/Virgin)

Da wäre allerdings mehr drin gewesen. Die heimischen Techno- und Elektronik-Größen Christopher Just (Punk Anderson) und Wolfgang Schlögl (Sofa Surfers) baten Kollegen wie Patrick Pulsinger, Louie Austen & Mario Neugebauer, DJ DSL oder Fritz Ostermayer um Neubearbeitungen ihrer liebsten Scheußlichkeiten aus dem untoten Genre des Austropop. Mutlos wie schon die Originale. schach

BOREDOMS Vision Creation
(Rave Up: (1) 596 96 50)

Wer den japanischen Wahnsinnigen Yamatsuka Eye schon live erleben durfte, weiß: keine Würstel! Freerockspaceelektronik mit großem "Aaaaargh!". Aaaaargh? Aaaaargh!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 5. 2001)

Von
Christian Schachinger

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