Renaissance für Wohnungsmarkt

10. Mai 2001, 21:35
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Immofinanz-Chef Petrikovics: Euphorie bei Bürobauten ist zu groß

Wien - Der Wohnungsmarkt wird sich in den nächsten zwei Jahren besser entwickeln als der Büromarkt. Davon geht Immofinanz-Chef, Karl Petrikovics, aus. Sein Argument: Zwischen 1992 und 1997 wurden "aus politischen Gründen" allein in Wien jährlich zwischen 12.000 und 14.000 Wohnungen gebaut, weit mehr als nachgefragt wurden. Jetzt sei man mit rund 7000 Wohnungen auf einem "verträglichen Maß".

Euphorie bei den Developern zu groß

Bei den Bürohäusern hat Petrikovics die Sorge, dass die Euphorie bei den Developern zu groß ist. Derzeit boome zwar der Büromarkt, doch in rund zwei Jahren werde, eben wegen der zuletzt gedrosselten Produktion, der Wohnungsmarkt wieder sehr interessant sein.

Keine geförderten Mietwohnungen

Die Immofinanz bietet ausschließlich nicht geförderte Mietwohnungen an, die preislich allerdings nicht teurer seien als geförderte, versichert Petrikovics. Vor der Fertigstellung sind derzeit Wohnungen im 4. Bezirk (Viktorgasse 16), im 5. Bezirk (Ziegelhofengasse 27) und im 17. Bezirk (Schumanngasse 67). Angeboten werden Wohnungen zwischen 30 und 90 m² inklusive Küche mit einer Nettomiete von rund 115 S/m². Inklusive 20 S/m² Betriebskosten und zehn Prozent Mehrwertsteuer beträgt die Gesamtmiete 148,5 S/m². Damit kämen die frei finanzierten Wohnungen der Immofinanz auf die gleiche Kostenbelastung wie geförderte Wohnungen, zumal die Immofinanz keine Eigenmittel verlange, sagte Petrikovics.

Teure Wohnungen auch in weniger guten Lagen

Als Beispiel rechnet er das aktuelle Angebot einer geförderten 40-m²-Wohnung im 16. Bezirk vor, wo Eigenmittel von 220.000 S und eine Miete von 3800 S eingefordert werden. Würde man die Eigenmittel von 220.000 S mit jährlich sechs Prozent verzinsen, errechne sich daraus ein Betrag von 13.200 S. Durch zwölf dividiert sind das monatlich 1000 S. Somit betrage die Miete nicht 3800 S, sondern 4800 S, inklusive Mehrwertsteuer errechne sich daraus ein Quadratmeterpreis von 120 S. Dazu kommen noch die 5000 S Förderung/ m², die mit sechs Prozent verzinst jährlich 300 S ausmachen, was monatlich einen Betrag von 25 S ergebe. Volkswirtschaftlich gesehen lägen die gesamte Mietbelastung somit bei 145 S/m² inklusive Betriebskosten und Mehrwertsteuer. "Und das für eine Wohnung in keiner besondern Lage", wie Petrikovics einräumt.

EDV AUsstattung wird gefordert

In den neuen Projekten, die die Immofinanz und ihr Makler, die CCP, derzeit am Markt anbieten, wird auf die EDV-Ausstattung der Wohnungen besonderer Wert gelegt. So soll jede Wohnung einen eigenen PC in der Standardausstattung dabeihaben. Das gesamte Haus wird von einem Provider bedient. Auf der Suche sei man derzeit nach einem EDV-Partner, der es schafft, etwa die Kaffeemaschine oder die Heizung von extern, also vom Weg vom Büro nach Hause, einzustellen.

Zukunftsmusik sei derzeit noch ein eigenes Fitnessstudio für die Hausbewohner. Das rechne sich erst ab einer Gesamtfläche von 3500 bis 4000 m² Gesamtwohnfläche. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe 9.Mai 2001)

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