Anita Weinberger, Listenzweite der GRAS

11. Mai 2001, 15:17
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Oft ist frau auf der Uni nicht sichtbar!

1) Name, Alter, Studium, Listenplatz

Anita Weinberger, 23, Sozialwirtschaft, 2. platz

2) Wie fühlst du dich als Frau auf der Uni?

Ziehmlich einsam! In verschiedenen Studienrichtungen (besonders in den technischen) sind Frauen sehr rar vertreten. So sind an der TU-wien von 19 500 Studierenden nur ca. 4000 weiblich. Unter den ProfessorInnen und AssistentInnen zeigt sich noch ein bedrückenderes Bild. Im Durchschnitt sind 4% der ProfessorInnen weiblich. In Linz haben wir gerade 2 weibliche ordentliche Professorinnen. Durch die Kürzungen der finanziellen Mitteln werden frauenspezifische Lehrveranstaltungen und Forschung wieder mehr zurückgedrägt.

Oft ist frau auf der Uni nicht sichtbar.

3) Was denkst du über spezifische Frauenmaßnahmen auf der Uni?

Diese sollen noch viel mehr intensiviert werden. Durch die Frauenförderpläne werden auch unsere Kollegen an der Uni gezwungen umzudenken. Für eine demokratische offene Uni kann dies nur eine Bereicherung sein.

Durch die geplante Unireform wird es den Unis freistehen, Frauenförderpläne zu gestalten und zu handhaben. Die Folgen könnten Rückschritte in diesem Bereich bedeuten.

Besonders das Mentoringsystem sollte auch auf Studentinnen ausgeweitet werden um junge Nachwuchswissenschaftlerinnen zu fördern.

4) Wie ist deine Wahrnehmung von Frauen auf der ÖH? Wo arbeiten sie bzw. wo fehlen sie?

Besonders in der Rolle der Vorsitzenden fehlen Frauen. Oftmals trauen sich Frauen nicht, solche Positionen (und die Verantwortung) zu übernehmen. Auch auf der ÖH muß in diesem Bereich noch Bewußtseinsbildung betrieben werden.

Vor einem Jahr ist ein Ausschuss für Gleichbehandlungsfragen auf ÖH-Bundesebene eingerichtet werden. Dieser Ausschuss, in welchen ich den Vorsitz habe, beschäftigt sich auch vorallem um die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der ÖH. Er ist dem Arbeitskreis für Gleichbehandlung auf der Universität ähnlich.

5) Wie schauen die frauenpolitischen Forderungen/Ansätze deiner Fraktion aus? Habt ihr ein frauenpolitische Programm und wenn ja welches?

Die GRAS setzt sich sein für...

- finanzielle Absicherung von frauenspezifischer Lehre und Forschung sowie verpflichtende Verankerung frauenspezifischer Lehrinhalte in allen Studienrichtungen
- Förderung der Frauen im politischen Raum
- Einrichtung einer Beschwerdestelle für Diskriminierung an den Universitäten
- Quotierung von Gremien, besonders jene, die in Personalfragen agieren
- Erweiterung der Kompetenzen der Gleichbehandlungsbeauftragten sowie aktives Stimmrecht des Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen in Personalfragen

Die GRAS tritt ein für...

- Fortbildung auch während der Karenzzeit
- Gesetzliche Verankerung der feministischen Sprache
- Abänderung der Schulbücher in eine geschlechtsneutrale Schreibweise und geschlechtsneutrale Rollenverhältnisse
- Intensive Förderung der Frauen, bis auf allen Ebenen ein Verhältnis von 50:50 herrscht.
- Bevorzugung der Frau gegenüber dem Mann bei gleicher Qualifizierung bei Stellenbesetzungen - Transparentmachung von Vergabemodalitäten vor allem in Bezug auf Tutoriumsstellen, um die Reproduktion des Männerbundes Universität zu verhindern.
-Verbesserte psychologische Betreuung in Kliniken und staatlichen Stellen für Frauen, die Gewalt ausgesetzt waren.
-Die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches auf Kassenkosten als Recht der Frau auf ihren eigenen Körper.

Für die GRAS ist der Kampf um die Gleichberechtigung noch lange nicht gewonnen. Worte alleine genügen hier nicht. Erst wenn Frauen zu 50% in allen Positionen vertreten sind, können wir anfangen von Gleichberechtigung zu sprechen.

6) Wie ist das ungefähre zahlenmäßige Verhältnis von Männern und Frauen in deiner Fraktion und wo speziell arbeiten Frauen bei euch?

Unsere Listen werden in Mindestparität besetzt. (d.h. egal wieviele Mandate es werden gleichviele oder um eine Frau mehr ein Mandat besetzten. Es wird versucht im ausgewogenem Verhältnis die einzelnen Bereiche zu besetzen. In den letzten Jahren war die Funktion der BundessprecherIn immer durch eine Frau besetzt.

Auf den 1. Platz unserer Liste ist diesesmal erstmals ein Mann, da wir in unserem Wahlkampf auch besonders die Thematik Homotransbi behandeln wollen. Alexexander Griwatz (1. Platz) ist in unserem Zielgruppen aus persönlicher Motivation stark engagiert. Die Diskriminierung von homosexuellen Menschen (besonders durch den § 209) erfährt er persönlich.

7) Was denkst du über die Abschaffung des Frauenministeriums und wie beurteilst du die Notwendigkeit eines Frauenreferats auf der/den ÖH/s?

Die Regierung setzt durch diese Maßnahme wieder den Schritt die Frau hinter den Herd zu stecken. Die Frau wird wieder mit der Familie gesehen aber nicht als eigenständige Person. So lange es keine Gleichstellung gibt bedarf es Frauenreferate und eines eigenständigen! Frauenministeriums. Gleichstellung ist nicht nur durch Gesetze abgetan sondern es muß Bewußtseinsbilung in der Gesellschaft betrieben werden.

8) Wie ist deine Meinung zur Einrichtung der Männerabteilung und meinst du über so eine Abteilung im Zusammenhang mit der ÖH?

Die Frage ist in welchen Bereichen Männer diskriminiert sind. Es hält sie niemand ab Hausarbeit zu leisten :-)

9) Was denkst du als Studentin über das Kindergeld? Was steht für dich da im Vordergrund? Die "Erleichterung" oder die "Abschiebung zur Kinderbetreuung"?

Das Kindergeld ist für mich ein Anreiz für Frauen wieder zu Hause zu bleiben und den Job aufzugeben. Durch das lange Fernbleiben vom Beruf werden Frauen aus den Berufen gedrängt. Auch stellt sich dir finanzielle Frage nach den 3 Jahren. Von wo soll dann frau die Mitteln auftreiben für ihr Kind?

Vernünftiger wäre eine Ausweitung von Kinderbetreuungseinrichtungen. Das würde frau helfen. (Red)

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