Wien retourniert Johann Strauß- Partituren

11. Mai 2001, 14:50
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NS-Zwangsschenkungen werden rückgängig gemacht

Wien - In der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und im Museum der Stadt Wien ist seit Mittwoch die Rückgabe weiter Teile aus dem Nachlass von Johann Strauß im Gange. Zurückgegeben wird - an Erben aus der Schweiz - der Bestand aus der Sammlung Strauß-Meyszner, die von den Nationalsozialisten geraubt worden war und im Zuge der Rückstellungen in den fünfziger Jahren zu einem Gutteil als fragwürdige "Schenkung" bei der Stadt Wien verblieben ist.

Die Wiener Rückstellungskommission, die in ihren Entscheidungen dem Bundesgesetz über die Kunstrückgabe aus Bundesbesitz folgt, hatte Kulturstadtrat Peter Marboe die Rückstellung dieser Schenkung empfohlen. Sie geht nun an die Erbengemeinschaft nach Ada Crespo de la Serna zurück, die 1952 zu einer Schenkung veranlasst worden war.

1939 hatte unter dem massiven Druck der Nationalsozialisten Alice Meyszner-Strauß, die aus erster Ehe stammende Tochter von Johann Strauß' dritter Gattin Adele, die jüdischer Herkunft war, den Nachlass aus dem Besitz ihrer Mutter der Stadt Wien "geschenkweise" übergeben müssen. Darunter befanden sich unter anderem die Originalpartituren zur "Fledermaus", dem "Zigeunerbaron" und zum Donauwalzer.

Mit der von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Strauß-Sammlung des Bankiers Josef Simon kamen weitere bedeutende Dokumente in den Besitz der Städtischen Sammlungen. Simon, zeitweiliger Besitzer des Theaters an der Wien, war nach seiner Heirat mit einer Schwester von Adele Schwager von Johann Strauß geworden.

Nach Kriegsende versuchte die Stadt Wien beide Sammlungen in langwierigen Verhandlungen - unter Vermittlung des Kunsthändlers Otto Kallir - zu erwerben. Bestimmte Teile wurden angekauft, weitere gingen an die Erben zurück (etwa die Partituren zur "Nacht in Venedig" und zur "Fledermaus"). Die "Fledermaus" wurde dann 1952 bei einer Versteigerung in München für die Musiksammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek erworben.

Die Ergebnisse der Herkunftsforschung ihrer Strauß-Sammlung hat die Wiener Stadtbibliothek online publiziert. (APA)

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