Tiroler Kinderschutzzentren: Zu wenig Geld für weiteren Ausbau

10. Mai 2001, 20:48
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Anlaufstelle für sexuell missbrauchte Kinder bleibt unerfüllt

Innsbruck - Die Forderung nach je einer professionell geführten Anlaufstelle für sexuell missbrauchte Kinder für das Tiroler Ober- und Unterland bleibt bis auf weiteres unerfüllt: Das Land Tirol spare bei den Ausgaben, kritisiert Pia Jungwirth vom Innsbrucker Kinderschutzzentrum "Tangram".

Zu teuer

Zu teuer, das nötige Geld fehle, antwortet Manfred Weber, Chef der Jugendwohlfahrt. Daher würden in den Regionen Fachkräfte aus dem psychosozialen Bereich ausgebildet und vernetzt. "Mehr ist im Moment nicht möglich", erklärt Weber und beziffert den zusätzlichen Aufwand mit einer halben Million Schilling (36.336 Euro).

Drei Personen nötig - Für Opfer, Täter und Familie

Jungwirth. die an der Qualifikation der Kolleginnen und Kollegen nicht zweifelt, sieht in dieser Konstruktion ein strukturelles Problem. Weil es sinnvoll und üblich sei, dass in Fällen sexuellen Missbrauchs drei Personen gleichzeitig tätig seien, um mit Opfer, Täter und der restlichen Familie arbeiten zu können. Dazu brauche es einen Ort als Anlaufstelle und ein Team aus Therapeuten und Sozialarbeitern.

71 gemeldete Fälle sexuellen Missbrauchs im Jahr 2000

71 Fälle sexuellen Missbrauchs seien im Jahr 2000 den Tiroler Jugendämtern gemeldet worden, sagte Weber in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Sicherheitsdirektor Ferdinand Knapp verwies auf Studien, die von einer zwanzig- bis fünfzigfach höheren Dunkelziffer ausgehen. Gemeinsam mit Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser sprach sich Knapp für einen Ausbau der Einrichtungen in den Bezirken aus.

Vernetzung

Nicht die Kostenfrage allein habe zur Entscheidung für die Vernetzung statt des Ausbaus geführt, meint dazu Soziallandesrat Herbert Prock (SP). Der eingeschlagene Weg sei "sinnvoller" und vermeide Doppelstrukturen. (hs, DER STANDARD Print-Ausgabe 11. Mai 2001)

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