Der Exminister und seine Mutter Courage im im Kampf gegen die Eta

10. Mai 2001, 19:56
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Neue Allianz im Baskenland soll den Terror besiegen

San Sebastián/Madrid - Mit großem Schwung sind die Wahlhelfer der Volkspartei unterwegs. Plakate werden geklebt, Werbezettel mit dem Porträt von Jaime Mayor Oreja verteilt. Wo immer er auftritt, sorgt der populäre Exminister für Begeisterung: Wenn Mayor eindringlich von der "Geißel des baskischen Volkes" spricht, die nur "mit unnachgiebiger Hand zu beseitigen ist", wissen alle, dass er die Eta meint. Erfahrungen hat der 50-Jährige genug: Als Innenminister dirigierte er die erfolgreiche Verfolgung der Terrororganisation, die immer jüngere Kader in die Schlacht wirft - zuletzt am Sonntag in Person eines Pistolenschützen, der den VP-Obmann in Saragossa niederstreckte.

Makabre Scherze

Während dem Mann mit grau meliertem Vollbart die Sympathien der im Kursaal von San Sebastián zahlreich vertretenen Damen mittleren Alters sicher sind, spricht die an seiner Seite links stehende Frau in der schwarzen Lederhose die Jugend an. Respekt schwingt mit, wenn die stets lächelnde zweifache Mutter Maria San Gil (36) das Wort ergreift. Ohne Personenschutz rund um die Uhr kommt keiner der auf der Bühne versammelten Politiker aus. Makabre Scherze ranken sich um die Berufsbezeichnung "VP-Gemeinderat", ein Betroffener bezeichnet sich als Albtraum der Lebensversicherungen.

Als Gregorio Ordoñez, konservative Nachwuchshoffnung im Baskenland, 1995 vor den Augen Maria Gils erschossen wurde, musste sie ihr Leben "neu überdenken". Zwischen Kapitulation und Weitermachen habe sie sich entscheiden müssen. "Ich war nicht bereit, den Mördern Gregorios einen weiteren Sieg zu gönnen." Gil übernahm den Sessel ihres Vorgängers im Rathaus von San Sebastián und bietet den Euskal-Herritarrok-Abgeordneten in Debatten die Stirn. Die Mehrzahl der 30 Eta-Opfer seit dem Ende des Waffenstillstands im November 1998 sind Politiker. "Wir müssen die Angst überwinden", sagt "Mutter Courage", wie Gil bewundernd genannt wird.

Die Nationalisten aus dem baskischen Machtapparat zu verdrängen ist Ziel einer Allianz von Volkspartei und Sozialisten. Diese in Spanien noch nie geübte Form politischer Zusammenarbeit wird den Wählern als "Notgemeinschaft" gegen die Eta erklärt. Der sozialistische Spitzenkandidat, Nicolás Redondo, stellt das Ziel über die politischen Differenzen: "Wir haben an zu vielen Gräbern Trauer gehalten, damit muss jetzt Schluss sein."

Expremier Felipe González ist Redondo zu Hilfe geeilt. "Im Kampf gegen den Terrorismus", sagte González bei einem Meeting, "bin ich bereit, jeden Pakt zu rechtfertigen." Was González und Nachfolger Aznar nicht gelungen ist, soll eine rot-schwarze Koalitionsregierung im Baskenland zustande bringen: "Wir werden nicht mehr mit den Terroristen verhandeln", ruft Mayor Oreja zu, und seine Anhänger antworten mit tosendem Applaus, denn sie wissen, welcher Nachsatz noch kommt: "Wir werden die Eta besiegen!" (DER STANDARD, Print, 11.5.2001)

STANDARD-Korrespondent Josef Manola
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