Von warmem Wasser und starken Frauen

21. Mai 2001, 10:32
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Neue Duftlancierungen, erweiterte Produktlinien und leichte Neuinterpretationen: Der Sommer riecht gut

Kein "Unisex"-Parfum - denn das bedeute "kein Geschlecht" -, sondern ein "Duft für Männer und Frauen" soll das neue "Eau de Cartier" sein. Es soll die traditionellen Werte der Firma Cartier, die seit 1847 im Juweliersbereich tätig ist, mit Innovation, Überraschung, sprich dem Motto von Cartier "Kreation" verbinden. "Früher hat man jegliches Risiko gescheut, alle Konsumentinnen waren gleich", erzählt Alain Zimmermann, Entwicklungsmanager Parfum de Cartier, "doch in den 90er-Jahren hat sich das Kundenverhalten geändert. Die Leute waren auf der Suche nach dem, was der Nachbar nicht hat."

Authenzität ist gefragt

Heute ist Authentizität gefragt und man hat - ganz nach der Philosophie, immer Außergewöhnliches zu kreieren - versucht, einen ausgefallenen Duft, der trotz allem traditionell sein sollte, zu entwickeln. In einem "warmen Wasser", bestehend unter anderem aus Essenzen wie der japanischen Yuzu-Frucht, Veilchen, Moschus und Zedernholz, sieht man die Aufgabe gelöst. Die Zusammenstellung pflanzlich-frischer Akkorde mit holzigen Aromen gibt die verschiedenen Noten nacheinander auf der Haut frei und sorgt somit, je nach Zeitpunkt, für vielfältige Geruchsempfindungen.

Doch warum lanciert ein über 150-jähriges Unternehmen, das eigentlich im Juwelierbereich groß geworden ist, Parfums? Laut Cartier hat sich der Accessoire-Bereich mit Düften, Schreibgeräten, Brillen, Lederwaren und Seidentüchern durch die Eröffnung der ersten Cartier-Boutiquen seit den 70er-Jahren stark entwickelt. So brachte man zum Beispiel 1968 das ovale Feuerzeug, 1974 die bordeaux-rote Lederkollektion und 1981 das erste Parfum auf den Markt.

Must de Cartier

Die Philosophie des Hauses Cartier ist jedoch für alle Produktgruppen gleich. Nun möchte man eine andere, jüngere Zielgruppe ansprechen, die sich mit den Image von Cartier nicht wirklich identifizieren kann und die man mit den klassischen Düften wie beispielsweise "Pasha de Cartier" oder "Declaration de Cartier" nicht erreicht. Dasselbe versuchte man auch schon 2000 mit dem Relaunch des Parfums "Must de Cartier pour Femme", der im Zuge der Lancierung des Männerduftes "Must de Cartier pour Homme" geschah. Dafür kreierte man einen neuen Flakon in Rot und Bernstein, den Farben des Orients.

Im Gegensatz dazu ist der Flakon von "Eau de Cartier" klar und schlicht. Um den Bedürfnissen der jungen und modernen Frauen gerecht zu werden, gibt es neben dem 200-ml-Flakon, dem 100-ml-Vaporisateur und dem Hair & Bodyshampoo auch einen Erfrischungsspray, der auch als Make-up-Fixierer benutzt werden kann.

Emporio Armani - White

Ebenfalls ziemlich jung kommt "Emporio Armani White" daher. Im chicen Imagefolder gesellen sich transparente High-Tech-Computer, lichtdurchflutete Glasarchitekturen und schöne Menschen in Weiß zum minimalistischen, runden Flakon aus weißen, irisierendem Metall. Eine "experimentierfreudige, junge Zielgruppe" soll angesprochen werden, die gerne aus der Eintönigkeit des Alltags ausbricht und sich für "Rap, Web, Outdoor, Food" begeistert. Trendy, mit einem Wort. Die Behälter sind dann auch wirklich sehr schön, obwohl sie in ihrer Schlichtheit eher an die gestaltungsbemühten Salz-und Pfefferstreuer diverser In-Lokale als an Parfüm erinnern.

Die Ausgaben für Frau und Mann unterscheiden sich nur in winzigen Details der Flakons wie der Farbe des Druckknopfs (helles Grau für Sie, Anthrazit für Ihn) und einem roten bzw. blauen Glasboden. Ausgeliefert werden die Düfte in einer der industriellen Ästhetik frönenden, an Seifenkartons erinnernden Verpackung.

Olfaktorisch ist "Emporio Armani White" weniger auf der coolen als auf der frischen und sinnlichen Seite angesiedelt. Die Frauenvariante vereint u.a. Bergamotte, Mandarine, Minze, Ingwer und weißen Moschus zu einem recht sanften und dabei stimulierenden Erlebnis, die Männerversion geht mit Rosmarin, Kardamom und Thymian ins Energetisch-Würzige.

Hugo - Deep Red

Wie bei Parfüm-Lancierungen so üblich operiert auch die neueste Errungenschaft von "Hugo" mit einer Idealvorstellung: "Hugo Deep Red", so heißt es, sei was für energiegeladene, unkonventionelle, verführerische, sinnliche Frauen, deren perfekte Verkörperung man in Anouk Lepere gefunden habe: 19 Jahre alt, derzeit angesagtes Supermodel aus Belgien, eine Brünette mit provokant-kühler Ausstrahlung, die u.a. schon von Chanel und Louis Vuitton verpflichtet wurde - alles andere als eine Durchschnittsfrau.

Dementsprechend nimmt auch der Duft das Prädikat "herausfordernd" und "unkonventionell" für sich in Anspruch. Die Komposition mit fruchtigen und floralen Elementen (Birne, Clementinen, Freesien) und einer holzig-vanilligen Basisnote ist in einen Hugo-typisch tiefroten Glasflakon abgefüllt und ab Juli erhältlich, neben dem Parfümspray in zwei Größen gibt es auch ein Duschgel, eine Bodylotion und ein Roll-on-Deodorant.

rococo soleil von Joop!

Unter den wohlriechenden Neuzugängen für die Sommersaison finden sich erfreulicher Weise auch nicht-alkoholische - und damit leichtere - Versionen von bereits lancierten Produkten. "rococo soleil" von Joop! ist eine frischere, prickelnde Neuinterpretation des sinnlichen Ursprungsdufts des deutschen Modedesigners. Die Ingredienzen wie Zitrone, Ananas, Magnolie, Rose und Sandelholz werden von würzigem Ingwer quasi "durchtränkt".

Neues von Etro

Auch das italienische Modelabel Etro hat sich was Neues ausgedacht: Die drei Aromen "Relent", "Raving" und "Resort" nehmen olfaktorische Anleihen in Ozeanien, umhüllen den Körper mit exotischen Essenzen von Kokosnussöl, Carambola-Frucht und Papua-Muskatblüte und lassen sich auch untereinander kombinieren.

Yves Saint Laurents Klassiker

Zu Yves Saint Laurents Klassiker "Opium" (lanciert 1977) kommt jetzt ebenfalls eine Sommer-Variante auf den Markt. "Opium Fraicheur d'Orient" ist ein Eau de Toilette ohne Alkohol und leichter als das Original, in der Serie ist auch ein feuchtigkeitsspendendes, sanft irisierendes Körpergel und ein pfirsichfarbener, sanfter Duschschaum erhältlich.

Zusatzprodukte von Cerruti und Acqua di Parma

Einige Düfte, die bereits seit einiger Zeit auf dem Markt sind, warten mit Zusatzprodukten auf. Zum Gute-Laune-Duft "Cerruti Image Woman" gesellen sich Körperpflegeprodukte mit Gingko und Ginseng wie ein belebendes "Hydrating Body Gel", eine ausgleichende Massagecreme und sprudelnde Badetabletten.

Zum "Acqua di Parma"-Duft gibt es ein Flüssiggel für den Körper mit Jojobaöl, die sich auch als Pflege nach dem Sonnen eignet sowie ein alkoholfreies Deo für die empfindliche Haut.

Zen-Linie von Shiseido

In der "Zen"-Linie von Shiseido werden jetzt drei weitere Produkte angeboten. Parfümiertes Duschgel, Bodylotion und Körperpuder sollen zu mehr Gelassenheit und Ausgeglichenheit beitragen.

Die bisher im deutschsprachigen Raum nicht erhältlichen Düfte des seit 1760 bestehenden Familienunternehmens "Creed" sind nun auch in Österreich erhältlich. Die Parfüms, die einst von Kaiserin Sisi getragen wurden und heute auch bei Prinz Charles und Julia Roberts Anklang finden, zeichnen sich durch einen besonders hohen Anteil an natürlichen Essenzen wie Verbena und Iris aus.
Diana Klein / mw

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