Schön-Ei schwächelt am schnellen Wechsel

20. Mai 2005, 17:37
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Eindrücke vom Audi TT Roadster mit 150 PS
Er ist noch immer ein Hingucker, der runde, der schöne, der coole Audi TT Roadster, ...

... auch im dritten Produktionsjahr kommen seine durchgestylten Formen einzigartig daher. Seit kurzem ist er den Brieftaschenmöglichkeiten des Volkes ein Stückerl näher gerückt, mit 150-PS-Turbomotor kostet das Schön-Ei etwas mehr als 445 Tausender.

Doch Schönheit und Hochklasseverarbeitung sind nicht alles, vor allem wenn es um ein Auto geht, das als Sportwagen - als Roadster nämlich - vermarktet wird. Ein reinrassiger Sportwagen ist der "kleine" Audi TT bei weitem nicht, vielleicht ein zweisitziges Cabrio mit sportiven Ansätzen. In engen, relativ langsamen Kurven hält der Wagen doch noch ganz gut mit. Der Turbomotor greift in einem schmalen Band zwischen 2000 und 3500 Umdrehungen relativ schneidig an, von Kick-ins-Kreuz ist aber keine Spur, das würde auch irgendwie nicht passen.

Der Wagen zeigt aber Schwächen, die im Magen des Lenkers ein flaues Gefühl verursachen und auch hinterlassen. Vorsprung durch Technik? Nicht bei diesem Fahrwerk. Vor allem in abwechselnden Links-rechts-Kombinationen mit größeren Radien, die an sich höhere Geschwindigkeiten erlauben würden, gibt es im Falle des "kleinen" TT, eines reinen Fronttrieblers, noch Spielräume für Verbesserungen. In einer Rechtskurve hebt sich nämlich quasi die linke Backe des runden Hinterteils über das Fahrwerk drüber, in der Linkskurve die rechte Backe. Wie bei einem Minivan, irgendwie. Der VW Golf, mit dem der Audi TT die Plattform teilt, darf sich so verhalten, nicht aber ein "Roadster". Der Fahrer hofft inständig, dass kein abruptes Ausgleichen in den Kurven nötig sein wird. Schon beim Überqueren des Wechsels von Wien kommend in Richtung Südösterreich fiel dieses für einen Sportler seltsame Verhalten auf.

Gut. Einen Gang zurück. Man ist ja überempfindlich in Sachen TT. Jedes Arschwackeln wird schon als Fahrwerkschwäche empfunden und interpretiert, meinen die Kollegen. Denn es sind noch die Bilder in Erinnerung, als deutsche Autobahnraser bei Tempo 200, vermutlich nach Lastwechselreaktionen, mit ihren TT buchstäblich abgehoben und zerschellt sind. Kritiker sagen, die schöne Karosserie sei als umgekehrte Tragfläche, die das Auto gegen die Straße drücken soll, weniger geeignet.

Deswegen wird jetzt der dezente Heckflügel serienmäßig angebaut. Der übrigens gar nicht so schlecht aussieht. Und ESP - das Elektronische Stabilitätsprogramm - wird serienmäßig eingebaut und arbeitet hervorragend, weil rigid und doch dezent. Vor allem das für einen Fronttriebler typische Untersteuern in Kurven wird bestimmt unterbunden. Denn das wäre ja auch unglaublich uncool für einen "Roadster".


Audi TT 1,8 T Roadster

Antrieb: Vierzylinder-Reihenmotor, 1781 cm³, Turbo, 150 PS
Fahrleistung: 0-100 km/h in 8,9 sec, 214 km/h Spitze
MVEG-Verbrauch (Stadt/Land/ Mix): 11,2/6,4/8,2 l/100 km

Von
Leo Szemeliker
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