Regulator will Netzgebühr senken

10. Mai 2001, 18:48
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Überhöhte Durchleitungstarife behindern in einigen Bundesländern Wettbewerb

Wien - Österreichs oberster Stromregulator Walter Boltz hat sich die Senkung der Netzgebühren auf die Fahnen geschrieben. Bis zum Start der völligen Liberalisierung am 1. Oktober will Boltz die aus der Balance geratenen Netztarife nivellieren. Derzeit gibt es massive Unterschiede zwischen den Bundesländern. Beträgt die Strommaut in Tirol 81 Groschen, sind es in der Steiermark 1,34 Schilling.

Laut Regulator wird durch die Höhe der Netztarife der Wettbewerb in einigen Regionen verhindert, sagte Boltz am Dienstagabend bei einer vom STANDARD mitveranstalteten Podiumsdiskussion in der Industriellenvereinigung. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein schlug in dieselbe Kerbe: "Die Disparität ist nicht zu rechtfertigen." Schließlich machten die Netzgebühren in einigen Bundesländern ein Mehrfaches des Strom-Nettopreises aus.

Erste Stufe

In einer ersten Stufe will Boltz die Netzgebühren um zehn Prozent senken. Da die Durchleitungsgebühren derzeit im Schnitt 55 Prozent des gesamten Strompreise betragen würden, sei daraus bis Anfang 2002 mit einer Preissenkung von bis zu sechs Prozent zu rechnen. In den nächsten Jahren seien weitere Reduktionen drinnen. Als Beispiel verwies Boltz auf die Niederlande, wo nur 30 Prozent des Strompreises auf die Netzgebühr entfällt.

Um den Start der Vollliberalisierung möglichst reibungslos zu ermöglichen, bemüht sich der Stromregulator in Gesprächen mit der Industrie um eine Art Moratorium für juristische Streitfälle. Am 1. Oktober werde vielleicht nicht alles 100-prozentig funktionieren, doch werde der Übergang vom Monopol zum Markt besser als erwartet über die Bühne gehen, prognostiziert Boltz. (red/DER STANDARD, Printausgabe 11.5.2001)

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