Fußball- Prozess: Angeklagter bestreitet Schuld am Überfall auf den Gendarmen

11. Mai 2001, 22:17
posten

Warnecke: Holzschild zum eigenen Schutz gegriffen

Saint-Omer - Im französischen Prozess wegen des Überfalls von Lens hat der Angeklagte Markus Warnecke am Freitag die Schuld für die schwere Behinderung des Gendarmen Daniel Nivel bestritten. Vor dem Schwurgericht im nordfranzösischen Saint-Omer sagte der 30-jährige Hannoveraner am dritten Prozesstag aus, er habe sich bei der Auseinandersetzung mit der Polizei nach dem Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Jugoslawien am 21. Juni 1998 ein Holzschild "zum eigenen Schutz" gegriffen.

Zusammen mit anderen Fußballfans sei er auf eine Sperre zugerannt. "Wir wollten die Polizeisperre durchbrechen, die nur aus drei Polizisten bestand", sagte Warnecke. Dann sei er, während er das Holzschild vor den Oberkörper hielt, mit einem der Beamten zusammengeprallt. "Ich glaube, dass ich ihn am rechten Schulterblatt getroffen habe", fügte Warnecke hinzu.

"Auf den am Boden liegenden Gendarmen eingeschlagen"

Mit seiner Aussage vor dem Schwurgericht von Saint-Omer blieb Warnecke im Wesentlichen bei der Version, die er bei seiner Vernehmung vor dem Essner Landgericht 1999 von den Vorgängen in Lens gegeben hatte. Bei den Ermittlungen zum Prozess in Saint-Omer hatten mehere Zeugen ausgesagt, Warnecke habe auf den am Boden liegenden Gendarmen eingeschlagen.

Unter den Zeugen, die in den kommenden Wochen gehört werden sollen, sind unter anderen die Kollegen Nivels, der österreichische Fotograf Walter Sauer und der Hannoveraner Oberstaatsanwalt Wolfgang Büermann, dessen Behörde die Ermittlungen in Deutschland leitete. Warnecke wurde in Deutschland bereits mehrfach wegen Schlägereien verurteilt.

Das Essener Landgericht hatte im November 1999 als Hauptschuldigen den Hooligan Andre Z. wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu zehn Jahren Gefängnis sowie drei weitere Gewalttäter wegen gefährlicher Körperverletzung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nivel trug bei dem Überfall schwerste Schädelverletzungen davon und überlebte nach sechs Wochen im Koma schwer behindert. Bis heute kann der 46-Jährige kaum sprechen, sich nur schwer konzentrieren und nur noch auf einem Auge sehen. (APA)

Share if you care.