WAZ will sich von RTL Group trennen

11. Mai 2001, 13:33
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Käufer AOL Time Warner?

Die Essener WAZ-Mediengruppe denkt über den Verkauf ihres Anteils von 7,4 Prozent an der von Bertelsmann dominierten RTL Group nach. Dies bestätigte WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann in einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview des Branchendienstes "kressreport". Er betonte zugleich: "Wir sind noch nicht zu der Entscheidung gekommen, dass wir es tun."

Die WAZ ist zusammen mit Bertelsmann über eine Holding an der RTL Group - der größten europäischen TV- und Radiogruppe - beteiligt. Durch einen Aktientausch mit der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) hat die Bertelsmann AG sich im März dieses Jahres die Mehrheit an der RTL Group gesichert.

Nach den Worten Schumanns hat Bertelsmann ein Vorkaufsrecht der 20 Prozent Anteile der WAZ an der BW.TV-Holding (80 Prozent hat Bertelsmann), die wiederum insgesamt 37 Prozent an der RTL Group hält. Zu Medienspekulationen, die stark im Zeitungsgeschäft engagierte WAZ wolle sich ihre Anteile durch die Übernahme von Zeitungsobjekten aus dem zu Bertelsmann gehörenden Hamburger Verlag Gruner+Jahr bezahlen lassen, sagte Schumann: "No comment." Er betonte, dass die WAZ nie daran gedacht habe, zum Fernsehhaus zu werden. Der Anteil der elektronischen Medien am WAZ-Gesamtumsatz liege zwischen 15 bis 20 Prozent inklusive der Radiobeteiligungen.

WAZ-Beteiligungen in Österreich

In Österreich spielt die WAZ seit Ende der achtziger Jahre eine dominierende Rolle. Sie hält 50 Prozent an der "Kronen-Zeitung" und 49,4 Prozent am "Kurier". Über die "Kurier"-Magazintochter ZVB sind WAZ und Gruner+Jahr Partner in der Verlagsgruppe News: 52,5 Prozent hält Gruner+Jahr, 30 Prozent die ZVB. Darüber hinaus gehören der WAZ zehn Prozent an der Libro-Gruppe.

Nach Angaben des "kressreport" käme für einen Verkauf der WAZ-Anteile auch AOL Time Warner in Betracht. Der führende US-Medienkonzern, bisher nur an den Sendern n-tv und Viva in Deutschland beteiligt, suche derzeit gezielt nach anderen Einstiegsmöglichkeiten in Deutschland. (APA/dpa)

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