British Telecom spaltet sich auf

10. Mai 2001, 16:02
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Milliarden-Aktienemission geplant - Neuer Chairman gesucht

London - Die hochverschuldete British Telecom will zur Beilegung seiner Schuldenkrise neue Bezugsrechte im Wert von mehreren Milliarden Pfund ausgeben und kündigte zugleich die Aufspaltung des Konzerns an. Im Rahmen einer Restrukturierung des Konzern solle der Mobilfunkarm BT Wireless einschließlich der Auslandsgeschäfte abgespalten werden. Auch ein Anteil von 20 Prozent an dem italienischen Mobilfunkanbieter Blu soll veräußert werden. Zum weiteren Abbau der derzeit 28 Mrd. Pfund (45 Mrd. Euro/619 Mrd. S) Schulden will Großbritanniens größter Festnetzbetreiber außerdem mit der größte Aktienemission in der britischen Geschichte Bezugsrechten im Gesamtwert von 5,9 Mrd. Pfund ausgeben. Der Schuldenstand des Unternehmens soll damit um Drittel verringert werden.

"Es gibt keine heiligen Kühe mehr"

Dem zweiten Restrukturierungsplan innerhalb von sechs Monaten stünde nichts im Wege, sagte BT-Chef Peter Bonfield auf einer Analystenkonferenz. "Es gibt keine heiligen Kühe mehr", sagte Bonfield. BT werde seine Ankündigungen auch umsetzen.

Im Rahmen der Bezugsrechtsausgabe können BT-Aktionäre nach Angaben des Telekomkonzerns drei neue Aktien für je zehn gehaltene Papiere hinzukaufen. Der Preis pro Aktie liege bei 300 Pence und damit bei knapp der Hälfte des Schlusskurses von Mittwoch. Nach BT-Angaben sollen durch den Preisnachlass auch skeptische Anleger gewonnen werden. Die neuen Aktien könnten bis zum 15. Juni erworben werden, hieß es.

BT Wireless wird abgespalten

Im Rahmen eines zweiten Umstrukturierungsplanes innerhalb von sechs Monaten will BT seine komplette Mobilfunksparte BT Wireless abspalten. Dazu gehören Tochtergesellschaften in Großbritannien, Deutschland, Irland und in den Niederlanden. Das verbleibende Festnetz-Rumpfgeschäft solle in Future BT umbenannt werden. Bis zu zwei Mrd. Pfund an Schulden sollen auf BT Wireless übertragen werden, das künftig von Peter Erskine als CEO geleitet werde. BT suche ferner nach einem Chairman für das neue Unternehmen.

Zusätzliche Einsparungen in Höhe von 1,4 Mrd. Pfund erwarte BT ferner durch die Streichung der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr. Marktexperten zufolge könne sich das Unternehmen dadurch jedoch auch den Unmut seiner 1,7 Millionen Kleinanleger zuziehen, die rund 18 Prozent der ausgegebenen Aktien halten. Das neue Festnetzunternehmen Future BT plane indes für das im März 2002 auslaufende Geschäftsjahr wieder eine Dividende zu zahlen, hieß es.

Schuldenabbau

Zusammen mit dem geplanten Verkauf von Beteiligungen in Spanien und Japan an den britischen Konkurrenten Vodafone für 4,8 Mrd. Pfund sowie dem Verkauf einer Beteiligung in Malaysia über 350 Mill. Pfund in der vergangenen Woche hat British Telecom nach Einschätzung von Experten jetzt gute Chancen, ihre Zusagen zum Schuldenabbau einhalten zu können. "Die Bezugsrechtsausgabe über 5,9 Mrd. Pfund ist zusammen mit den Verkäufen in Japan und Spanien außerordentlich positiv", sagte WestLB-Analyst Brian Venables. BT könne damit ihre Tilgungsziele erreichen und brauche dementsprechend auch nicht um ihr Kreditrating zu fürchten, fügte er hinzu.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2000 gab das Unternehmen außerdem einen Vorsteuerverlust von 1,03 Mrd. Pfund bekannt verglichen mit einem Gewinn von 2,94 Mrd. im Vorjahr. BT begründete die Verluste zum Teil mit Goodwill-Abschreibungen bei der deutschen Tochter Viag Interkom. (APA/Reuters)

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