Schering will Werk in Wien schließen

10. Mai 2001, 18:23
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Umstrukturierungen - 60 Mitarbeiter in Wien betroffen

Wien - "Bis Ende 2002 wird Schering Österreich weiter produzieren wie bisher", versichert der Geschäftsfüher der Schering-Niederlassung in Österreich, Siegfried Mayerhofer, auf APA-Anfrage am Donnerstagabend. Bis dahin werde versucht, für jeden einzelnen der 60 betroffenen Mitarbeiter eine sozial verträgliche Lösung zu finden. Insgesamt sind für die Schering Österreich GesmbH in Wien 170 Personen tätig. Die 110 in Vertrieb, Marketing, Buchhaltung und ähnlichen Bereichen Beschäftigten seien von der Umstrukturierung nicht betroffen.

Der Schering-Konzern, Berlin, hatte am Donnerstagnachmittag angekündigt, in den kommenden Jahren sechs Produktionsstandorte weltweit schließen zu wollen. Außer Wien sind davon auch die Standorte Jena, Hamburg, Buenos Aires und Wayne (USA) betroffen, für den finnischen Standort Tammisaari wurde bereits heuer ein Kooperations-Konzept realisiert. Damit verringert sich die Zahl der Produktionsstätten bis 2005 von derzeit 20 auf 14. Die genannten Werke hätten keine "unternehmensstrategische Bedeutung" mehr, hieß es zur Begründung. Im Zuge der Neuorganisation der Pharma-Produktion würden dort ingesamt voraussichtlich 650 Stellen abgebaut.

Präferenz für Österreich sei der Verkauf der Produktion in Wien-Penzing an ein anderes Unternehmen, doch das sei erfahrungsgemäß schwierig. Die meisten anderen ausländischen Pharma-Unternehmen hätten längst ihre Produktion still gelegt, sagte Mayerhofer. Die Österreichtochter von Schering erzielte im vergangenen Jahr 2000 mit einem Umsatz von 59 Mill. Euro (812 Mill. S) ein Ergebnis von einer "schwarzen Null". Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres gab es eine Umsatzsteigerung um 6 Prozent. Die Produktion sei kein Ertragsbringer, "Schering Österreich lebt vom Verkauf der Schering-Arzneimittel".

Globalisierungsstrategie

Grund für die geplante Schließung des Wiener Werks sei die im Sinne einer Globalisierungsstrategie die Verlagerung der gesamten Salben- und Creme-Produktion zum Werk in Mailand, das mit 1.200 Tonnen eine drei Mal so große Kapazität aufweist wie Wien. Mit der Qualität habe das nichts zu tun, vielmehr mit der geringen Größe des Standorts. Schering Wien produziert Salben und Cremes für den inländischen Markt, für die internationale Schering-Gruppe sowie für andere Firmen. Der gesamte Schering-Konzern beschäftigt derzeit an 20 Produktionsstandorten in 15 Ländern rund 3.700 Mitarbeiter. Produziert werden feste (Tabletten), halbfeste (Salben) und flüssige Arzneiformen.

"Wettbewerbsvorteile"

Eine solchermaßen global vernetzten Produktion verschaffe Schering deutliche Wettbewerbsvorteile durch "effizientere Gestaltung und Optimierung der globalen Versorgungsketten", argumentiert das Unternehmen. Die Produktionskosten sollen bei einer gleichzeitigen weiteren Verbesserung des Qualitätsstandards verringert werden. Insgesamt erwartet Schering durch die Umsetzung der globalen Produktionsstrategie jährliche Einsparungen "in zweistelliger (DM-)Millionenhöhe".

Die weltweite Schering-Produktion wird an den Standorten Berlin, Weimar, Turku, Lys-Lez-Lannoy, Mailand und Alcalá konzentriert, die künftig Kunden und Märkte weltweit versorgen sollen. Brasilien, China, Indonesien, Japan, Kolumbien, Korea und Mexiko sollen als regionale Produktionsstätten Kunden und Märkte in ihren jeweiligen Regionen bedienen, so der Schering-Plan. (APA)

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