Westafrika: Frauen im Fadenkreuz von Krieg und Terror

10. Mai 2001, 14:28
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NGOs organisieren Trauma-Behandlung

Freetown, Sierra Leone - Die Konflikte in einigen westafrikanischen Ländern treffen vor allem Frauen mit aller Wucht. Ihre grundlegenden Rechte werden mit Füßen getreten, und an den Folgen der seelischen und körperlichen Gewalt werden viele von ihnen ein Leben lang leiden.

Seit dem Ausbruch der bewaffneten Auseinandersetzungen in Sierra Leone 1991 hat das Forum afrikanischer Erziehungswissenschaftlerinnen (FAWE) 300 kriegstraumatisierte Frauen und Mädchen behandelt. Sie waren auf der Höhe des Bürgerkrieges von Rebellen verschleppt und vergewaltigt worden. "Für diejenigen, die schwanger wurden, mussten wir Ärzte und Therapeuten mobilisieren", berichtet die FAWE-Exekutivdirektorin Christiana Thorpe.

Übergriffe von beiden Seiten

Nach den Erzählungen der Opfer waren es in Sierra Leone vor allem die Rebellen der Revolutionären Einheitsfront (RUF), die sich durch besonders große Brutalität auszeichneten. So berichtete eine 18-jährige, dass sie zusammen mit fünf anderen Mädchen nach einem Überfall von mehreren Männern verschleppt und vergewaltigt worden sei. Ununterbrochen hätten sich die Kämpfer an den Mädchen vergangen. Ein Opfer sei an den Folgen des gnadenlosen Missbrauchs verblutet.

Die Übergriffe beschränkten sich nicht auf die Gebiete, in denen die Widerstandskämpfer das Sagen hatten. Gerade am Anfang des Krieges machten sich auch Regierungssoldaten bei der Bekämpfung der RUF Vergewaltigung und Misshandlung von Frauen als Kriegstaktik zunutze.

Ähnliche Verbrechen wurden an Frauen begangen, die in Guinea in die Schusslinie von Soldaten und Rebellen gerieten. Seitdem sich die Kämpfe im September letzten Jahres verschärft haben, ist die Zahl der Vergewaltigungen, Folterungen und Morde sprunghaft in die Höhe gegangen. Zudem schätzt das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR), dass Frauen 80 Prozent der 250.000 liberianischen und sierraleonischen Flüchtlinge ausmachen.

Zunehmende Fremdenfeindlichkeit

Auf dem Höhepunkt der gewaltsamen Auseinandersetzungen in den westafrikanischen Ländern wurden die Menschen von den Hilfsagenturen im Stich gelassen. Hunger, Seuchen und Tod fordern auch heute noch ihren Tribut, und mehr als 100.000 Menschen befinden sich im gemeinsamen Grenzgebiet von Guinea, Liberia und Sierra Leone.

Eine Sierraleonerin, die sich aus dem Drei-Länder-Eck in die Heimat retten konnte, sprach von der Hölle auf Erden. "Dort wurden wir von guineischen Sicherheitskräften vergewaltigt, festgehalten, gefoltert. Ich bin durch die Wälder entkommen."

Ihre Geschichte deckt sich mit der vieler aus Guinea heimkehrender Flüchtlinge. Diese sprechen von einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit, denen Frauen im besonderen und die Flüchtlinge im allgemeinen ausgesetzt sind. "In allen drei Bürgerkriegsstaaten sind Frauen die Hauptleidtragenden", meint Paul Allen vom Nationalen Forum für Menschenrechte. "Ihre Landwirtschaft und Kleinstunternehmen liegen am Boden, und das Leben vieler Frauen ist zerstört." (IPS)

Von Lansana Fofana
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