"Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten"

11. Mai 2001, 21:49
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Wertewandel resultiert vor allem aus der biologischen Revolution

Hamburg - Die Biotechnologie wird die Welt mehr verändern als die in den vergangenen Jahren entstandene Informationsgesellschaft. Das sagte der US-Bestsellerautor und Politologe Prof. Francis Fukuyama am Donnerstag auf dem 6. Deutschen Trendtag in Hamburg. "Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten", sagte der Wissenschafter. Er forderte eine internationale Institution, die darüber entscheidet, welche Entwicklungen die Gesellschaft zulassen will. Gesetze auf nationaler Ebene würden nicht ausreichen.

Beim Trendtag setzten sich Philosophen, Politologen, Marketingexperten und Wissenschafter mit dem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft auseinander. "Posthuman: Schicksal wird zur Ware" lautete die Hauptthese der Veranstaltung. Das eigene Schicksal werde nicht mehr als gottgegeben hingenommen, sondern künftig aktiv gestaltet, erläuterte der Gründer des Hamburger Trendbüros, Prof. Peter Wippermann.

Ein Wertewandel resultiert vor allem aus der biologischen Revolution. "Klonen ist nur eine Vorstufe zur genetischen Manipulation", sagte Fukuyama. Die Menschen hätten vor allem davor Angst, dass sich Eliten durch den Eingriff ins menschliche Erbgut körperlich von anderen unterscheiden könnten. Das sei jedoch nur eine mögliche Konsequenz aus der biotechnologischen Entwicklung.

Biochemische Medikamente steuerten heute schon das menschliche Verhalten, sagte Fukuyama. Antidepressiva würden das Selbstvertrauen stärken, Beruhigungsmittel hyperaktive Kinder für den Schulalltag tauglich machen. Auch wenn die Biotechnologie nicht Unsterblichkeit verspreche, werde sie auf jeden Fall das Leben der Menschen verlängern, ergänzte der Trendforscher. (APA/dpa)

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    foto: photodisc
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