Österreich ist keine Insel der Seligen

10. Mai 2001, 19:41
posten

Experte: Es mangelt an Umsetzung zur Erdbebensicherheit

Wien - Nachholbedarf in puncto Erdbebensicherheit in Österreich orteten Experten bei einem Workshop von arsenal research am Donnerstag in Wien. Auch wenn das letzte so genannte Schadbeben in Österreich 1927 in Schwadorf (NÖ) war, so leben die Österreicher bei weitem auf keiner Insel der Seligen, 20 Prozent des Bundesgebietes liegen in den höchsten Erbeben-Gefährdungszonen, nämlich drei und vier.

Die gefährdetsten Gegenden in Österreich sind das Wiener Becken, die Gegenden um Villach sowie Hall in Tirol und die so genannte Thermenlinie, die sich von Wien in Richtung Süden erstreckt. Das heftigste in Österreich dokumentierte Beben mit der Stufe zehn nach der 12-teiligen Intensitätsskala EMS-92 ereignete sich in Kärnten, das Epizentrum in Italien (Friaul). Damals gab es im Gebiet weitreichende Zerstörungen, in Villach wurden etwa Burgmauer und Kloster verwüstet. Zum Vergleich, dass Schwadorfer Beben hatte die Stärke acht nach dieser Einteilung. Insgesamt ereigneten sich in den vergangenen 100 Jahren 1.500 spürbare Beben in Österreich, berichtete Wolfgang Lenhardt von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte in Wien.

Wissen ist da ...

Auch wenn es eine 100prozentige Erdbebensicherheit nicht geben könne, so kenne die Wissenschaft doch Mittel und Wege, die Situation wesentlich zu verbessern, sagte Rainer Flesch, Erdbebenexperte von arsenal research, bei einer Pressekonferenz. "Das Wissen ist da, woran es mangelt, ist die Umsetzung", so der Wissenschafter. Dabei seien Neubauten weniger das Problem, als vielmehr die Altbestände an Gebäuden oder Brücken.

Flesch regte an, die heimische Erdbebensicherheit mittels eines Mehrstufen-Planes zu verbessern. "Zuerst bedarf es einer Bestandsaufnahme der wichtigsten Gebäude und Einrichtungen - der so genannten "lifelines" - in den als vier eingestuften Zonen, immerhin drei Prozent des Bundesgebietes. Zu den lifelines zählen etwa Spitäler, Brücken oder Telekom-Einrichtungen. Auch wenn es schwierig sei, die Sicherheit von Altbeständen zu erhöhen, so gebe es doch Möglichkeiten. In nicht denkmalgeschützten Gebäuden könnten etwa von außen Stahlgitter aufgebracht werden. Darf die Fassade nicht verändert werden, können die Ingenieure innen Verbesserungen durchführen. (APA)

Share if you care.