Journalisten- Gewerkschaft droht mit "Hausbesetzung"

10. Mai 2001, 20:06
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Auszug aus Bankgasse und "Muttergewerkschaft" Kunst, Medien, Sport, freie Berufe unklar

Verwirrung herrscht derzeit über die zukünftige Heimstätte der Journalistengewerkschaft. Die "Muttergewerkschaft" Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) plant, das Büro der Journalisten in der Wiener Bankgasse zu kündigen. Die Sektion könnte dann im KMSfB-Haus logieren. Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, will dies auf keinen Fall hinnehmen: "Schlimmstenfalls wird das bis zu einer Hausbesetzung gehen". KMSfB-Zentralsekretär Thomas Linzbauer war am Donnerstag vorerst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auszug angekündigt

Bauer betonte, dass ihm "noch keine offizielle Aussage" der KMSfB vorliege. Zwar sei ihm der Auszug aus der Bankgasse, wo auch der Presseclub Concordia, der Verband der Auslandsjournalisten und andere Interessensvertretungen angesiedelt sind, brieflich angekündigt worden, in persönlichen Gesprächen allerdings versichert worden, "dass es nicht passiert".

Schwieriges Verhältnis

Um das Verhältnis zwischen Journalistensektion und KMSfB ist es ohnehin seit längerer Zeit nicht zum Besten bestellt. Bereits 1999 hatten die Journalisten beschlossen, die Teilgewerkschaft zu verlassen, was von der KMSfB nicht akzeptiert wurde. Beim ÖGB-Bundesvorstand im Herbst des Vorjahres wurden dann die Weichen für eine neue Teilgewerkschaft gestellt. Umgesetzt sind die Pläne, an denen die vier Gewerkschaften Post, Privatangestellte (GPA), KMSfB sowie Druck und Papier (DuP) beteiligt sein sollten, aber nach wie vor nicht. Die Journalistengewerkschaft hat in der Folge mehrmals die "eklatante Führungsschwäche" der ÖGB-Spitze beklagt.

Keinen Rückhalt erwartet sich daher Bauer auch in der Frage des Journalisten-Domizils in der Bankgasse. "Der ÖGB ist nicht in der Lage, die Interessen der Mitglieder zu vertreten und eine vernünftige Organisation zu entwickeln", erklärte er. Es sei "bezeichnend, dass die Gewerkschaft ausgerechnet in einer Phase wie jetzt die Journalisten im Regen stehen lässt", so Bauer mit Hinweis auf die Besorgnis über geplante Strafbestimmungen für Journalisten. Die Berufsgruppe stünde derzeit ohnehin unter Druck, "und wir bekommen intern auch noch Prügel zwischen die Füße".

Wechsel?

Mit Interesse blickt Bauer derzeit zur GPA, wo kürzlich ein neuer Wirtschaftsbereich "Kommunikation" gegründet wurde (etat-Nachlese GPA gründet Wirtschaftsbereich "Kommunikation"). In der neuen Fachgruppe werden eine Reihe von Branchen, darunter auch die nichtjournalistischen Angestellten im Bereich Tages- und Wochenzeitungen, Verlage, Magazine und Privatradios zusammengefasst. Für Bauer ist dies ein gangbarer Weg: "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, in diesen Bereich zu wechseln, nachdem sich alle anderen nicht für die Medien interessieren." Bei der GPA findet diese Überlegung ein offenes Ohr: Man sei "offen für so einen Wechsel", hieß es auf APA-Anfrage. Allerdings, so wurde betont, "müssen die Spielregeln eingehalten werden" und der Bundesvorstand sowie die betroffenen Gewerkschaften zustimmen.

Peschke: "Flucht nach vorne"

Als "Flucht nach vorne, weil die Rechnung nicht aufgegangen ist", bezeichnete Fritz Peschke, der geschäftsführende Vorsitzende der KMSfB, Bauers Aussagen. "Auch durch Verlassen der Rechtsstaatlichkeit durch einige Vertreter der Sektion kann man uns nicht beugen!", meinte Peschke Donnerstag Abend.

Im Übrigen seien die Journalisten nicht immer in der Bankgasse beheimatet gewesen, ein "Renommierstandort" könne nicht zu Lasten der Mitgliederbetreuung gehen. Und - die KMSfB sei "immer noch zu klärenden Gesprächen bereit". (APA)

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